Linksextremismus in NRW: Straftaten mehr als verdoppelt

Die Zahl linksextremistisch motivierter Straftaten in Nordrhein-Westfalen ist innerhalb eines Jahres drastisch gestiegen. Das neue Lagebild des Verfassungsschutzes zeigt mehr Gewalt, mehr Sachbeschädigungen und gezielte Sabotage an der Bahn.

NRW-Innenminister Reul und Verfassungsschutz-Chef Kayser bei einer Pressekonferenz
© José Narciandi

Interview mit dem Verfassungsschutz-Chef Kayser

"Es macht eine gewisse Gefahr aus, dass der Linksextremismus nicht richtig ernst genommen oder unterschätzt wird, weil er immer so ein bisschen unter dem Deckmantel von legitimen Zielen daherkommt: Der Kampf gegen Rechtsextremismus, der Einsatz gegen Krieg, der Einsatz für Klimaschutz. Das sind ja alles legitime Ziele hinter denen man sich versammeln kann."

Der Leiter des NRW-Verfassungsschutzes, Jürgen Kayser, erläutert im Interview mit José Narciandi, Leiter unseres Landtagsstudios, die Erkenntnisse seiner Behörde über den Linksextremismus in Nordrhein-Westfalen.

© RADIO NRW

Deutlich mehr Straftaten und Gewalt

Nach vorläufigen Zahlen wurden 2025 landesweit 2.418 linksextremistisch motivierte Straftaten registriert - mehr als doppelt so viele wie 2024 mit 1.187 Fällen. Das geht aus dem aktuellen Lagebild hervor, das NRW-Innenminister Herbert Reul gemeinsam mit Verfassungsschutz-Chef Jürgen Kayser in Düsseldorf vorgestellt hat. Auch die Gewalt nahm deutlich zu: Die Zahl der Gewaltdelikte stieg um 78 Prozent auf 153 Fälle. Besonders auffällig ist der Anstieg bei Körperverletzungen und Widerstandshandlungen gegen die Polizei.

Sabotage an der Bahn und kritischer Infrastruktur

Zugenommen haben nach Angaben des Innenministeriums auch gezielte Angriffe auf die sogenannte Kritische Infrastruktur. Dazu zählen Sabotageakte an Bahnstrecken, Stromleitungen und Anlagen großer Unternehmen. Allein im Bereich der Bahn wurden 2025 sechs Fälle registriert, die dem linksextremistischen Spektrum zugeordnet werden - dreimal so viele wie im Jahr zuvor. Darunter waren unter anderem Brandanschläge auf Strecken und Funkmasten im Raum Duisburg und im Kreis Mettmann.

Foto Cover Lagebild Linksextremismus
Auf 91 Seiten listet das "Lagebild Linksextremismus" die Ideologien, Strukturen und Straftaten von Linksextremen auf. © José Narciandi
Auf 91 Seiten listet das "Lagebild Linksextremismus" die Ideologien, Strukturen und Straftaten von Linksextremen auf.
© José Narciandi

Sachbeschädigungen mehr als verdoppelt

Einen besonders starken Anstieg verzeichnet die Statistik bei Sachbeschädigungen. Mit 1.190 Fällen haben sich die Zahlen innerhalb eines Jahres mehr als verdoppelt. 2024 waren es noch 488 registrierte Delikte. Innenminister Reul spricht von einer wachsenden Gewaltbereitschaft und professionellerem Vorgehen in Teilen der Szene. Taten würden gezielter geplant, Kollateralschäden dabei in Kauf genommen.

Verfassungsschutz warnt vor Verharmlosung

Verfassungsschutz-Chef Kayser warnt im Interview mit uns davor, die Gefahr zu unterschätzen. Linksextremismus trete häufig unter dem Deckmantel gesellschaftlich anerkannter Anliegen auf: "Kampf gegen Rechtsextremismus, der Einsatz gegen Krieg, der Einsatz für Klimaschutz. Das sind ja alles legitime Ziele hinter denen man sich versammeln kann“, sagt Kayser im ausführlichen Interview auf dieser Seite. Das Lagebild ist nach den Berichten zu Islamismus und Rechtsextremismus das dritte eigenständige Extremismus-Lagebild des nordrhein-westfälischen Verfassungsschutzes.

Zum ausführlichen Lagebild des Verfassungsschutzes geht es hier