Michelle Yeoh sorgt für tränenreichen Berlinale-Auftakt

76. Berlinale - Eröffnung
© Soeren Stache/dpa

Filmfestspiele

Berlin (dpa) - Zum Auftakt der Berlinale hat Ehrenpreisträgerin Michelle Yeoh die Bühne für einen sehr persönlichen Auftritt genutzt. «Bitte gestatten Sie mir diesen einen Moment», sagte die 63-Jährige auf der Bühne, während ihr langsam die Tränen kamen.

«Ein Teil von mir ist immer noch das junge Mädchen, das einfach nur seine Eltern stolz machen wollte. Ich denke jetzt an sie, an das stille, sehr stille Vertrauen, das sie in mich gesetzt haben, als ich mir selbst manchmal unsicher war.» 

Die malaysische Schauspielerin ist für Filme wie «Wicked» oder «Tiger and Dragon» bekannt. 2023 gewann sie für «Everything Everywhere All at Once» den Oscar als beste Hauptdarstellerin. Bei der Eröffnungsgala der Berlinale wurde sie nun für ihr Lebenswerk geehrt.

Michelle Yeoh denkt an ihren Vater

«Mein Vater kann diesen Moment nicht mehr miterleben», sagte sie auf der Bühne. Aber er sei immer bei ihr. «Seine Disziplin, seine Beständigkeit, seine Überzeugung, dass alles, was es wert ist, getan zu werden, es auch wert ist, gut getan zu werden. Wenn er mich heute Abend hier stehen sehen könnte, mit diesem Goldenen Bären in den Händen, würde er lächeln, das weiß ich.»

Im Anschluss an ihre Rede jubelte das Publikum bei Standing Ovations. In seiner Laudatio nannte Regisseur Sean Baker («Anora») Yeoh die ideale Preisträgerin für Berlin, ein Festival, das seit jeher «kühne Stimmen» feiere. Sie habe «Anmut in die Gefahr, Intelligenz in die Action und Menschlichkeit ins Spektakel» gebracht.

Berlin habe sie früh willkommen geheißen, sagte Yeoh. Die Berlinale stehe für mutiges Erzählen, für Filme, die schwierige Fragen stellten und dem Publikum die Antworten zutrauten. In einer Welt, die sich leicht spalten lasse, sei es «leise radikal», gemeinsam im dunklen Kino zu sitzen und eine Geschichte zu teilen.

Politischer Eröffnungsfilm aus Afghanistan

Die Berlinale läuft bis zum 22. Februar. 22 Filme konkurrieren dieses Mal um den Goldenen Bären. Zur Eröffnung wurde «No Good Men» von der afghanischen Regisseurin Shahrbanoo Sadat gezeigt.

Das Politdrama, das außer Konkurrenz lief, erzählt von einer Kamerafrau in Kabul, die überzeugt ist, dass es in Afghanistan keine guten Männer gibt. Doch kurz vor der Rückkehr der Taliban kommt sie einem Kollegen auf einem Reportereinsatz näher. Sadat war selbst 2021 aus dem Land evakuiert worden, kam über Frankreich nach Deutschland und lebt in Hamburg.

Protestaktion auf dem roten Teppich

Zur Eröffnung der Berlinale kamen Schauspielerinnen und Schauspieler wie Daniel Brühl, Iris Berben und Lars Eidinger. Außerdem Matthias Schweighöfer und Ruby O. Fee - die beiden haben kürzlich geheiratet - und der US-Amerikaner Neil Patrick Harris («How I Met Your Mother»). Rapper Soho Bani performte auf dem roten Teppich. Fans harrten bei Regen aus. 

Schauspielerin Jasmin Tabatabai erinnerte mit anderen vor dem Berlinale-Palast an die Lage der Menschen im Iran, wo der Sicherheitsapparat Proteste blutig niedergeschlagen hatte. Es sei die schlimmste Katastrophe, an die sie sich erinnern könne, sagte Tabatabai der dpa. «Die dunkelste Zeit, die die iranischen Menschen durchmachen.»

Andere protestierten mit einem Zitat der Philosophin Hannah Arendt gegen Faschismus. Und Iris Berben äußerte sich auf Nachfrage zur politischen Lage in den USA. «Wir bewegen uns zurück mit allem, was wir bereits erreicht haben», sagte Berben. «Wir müssen wachsam sein, wir müssen wehrhaft sein und wir müssen vor allen Dingen uns miteinander verknüpfen, damit wir Kraft haben.»

Technikpanne bei Pressekonferenz

Schon morgens hatte sich die Internationale Jury vorgestellt, die in diesem Jahr von Regisseur Wim Wenders («Paris, Texas») geleitet wird. Der Livestream der Pressekonferenz setzte mehrfach aus, unter anderem als ein Journalist die Jurymitglieder nach einer Positionierung im Gaza-Krieg fragte.

Die Berlinale wies die Nachfrage des Journalisten auf Instagram, ob das Festival zensiere, zurück. «Heute Morgen hatten wir technische Probleme beim Web‑Streaming der Pressekonferenz mit der Internationalen Jury. Wir bitten dies zu entschuldigen.» Die Aufzeichnung war später vollständig auf der Internetseite abrufbar.

Dort war zu sehen, dass mehrere Jurymitglieder, darunter Wenders, auf die Frage eingingen. Er sagte unter anderem: «Wir müssen die Arbeit der Menschen machen und nicht die Arbeit der Politiker.» Festivalchefin Tricia Tuttle hatte bei der Frage eingegriffen und die Jurymitglieder gefragt, ob sie antworten wollten - man wolle ja auch über Filme sprechen.

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76. Berlinale - Eröffnung
Schauspielerin Michelle Yeoh auf dem roten Teppich.© Christoph Soeder/dpa
Schauspielerin Michelle Yeoh auf dem roten Teppich.
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Eröffnung Berlinale - 76. Internationale Filmfestspiele Berlin
Gizem Emre vor der Gala.© Sebastian Christoph Gollnow/dpa
Gizem Emre vor der Gala.
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Eröffnung Berlinale - 76. Internationale Filmfestspiele Berlin
Gäste, darunter die deutsch-iranische Schauspielerin Jasmin Tabatabai (2. v. l.), halten Protestschilder hoch.© Sebastian Christoph Gollnow/dpa
Gäste, darunter die deutsch-iranische Schauspielerin Jasmin Tabatabai (2. v. l.), halten Protestschilder hoch.
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76. Berlinale - Eröffnung
Menschenrechtsaktivistin Düzen Tekkal (l-r), Schauspielerin Pheline Roggan und Schauspielerin Jasmin Tabatabai auf dem Teppich.© Christoph Soeder/dpa
Menschenrechtsaktivistin Düzen Tekkal (l-r), Schauspielerin Pheline Roggan und Schauspielerin Jasmin Tabatabai auf dem Teppich.
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Ruby O. Fee und Matthias Schweighöfer kamen gemeinsam auf den Teppich.© Christoph Soeder/dpa
Ruby O. Fee und Matthias Schweighöfer kamen gemeinsam auf den Teppich.
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Politikerin Katrin Göring-Eckardt hat auf ihrer Hand stehen: «Remembrance is not a violation».© Christoph Soeder/dpa
Politikerin Katrin Göring-Eckardt hat auf ihrer Hand stehen: «Remembrance is not a violation».
© Christoph Soeder/dpa
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Tricia Tuttle auf dem Teppich.© Christoph Soeder/dpa
Tricia Tuttle auf dem Teppich.
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Der Jury-Präsident Wim Wenders kommt auf die Bühne.© Soeren Stache/dpa
Der Jury-Präsident Wim Wenders kommt auf die Bühne.
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Matthias Schweighöfer auf dem roten Teppich - mit Fans und Regenschirmen.© Elisa Schu/dpa
Matthias Schweighöfer auf dem roten Teppich - mit Fans und Regenschirmen.
© Elisa Schu/dpa

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