Musik / CD

Olivia Chaney: ShelterEine Stimme vom Himmel

In Deutschland ist sie noch fast gänzlich unbekannt. Englische und amerikanische Qualitätsmedien feierten jedoch schon Olivia Chaneys Debüt "The Longest River" als eines der besten Alben des Jahres 2015. Chaney, immerhin schon Mitte 30, hat einen langen Weg hinter sich. Ihr an Joni Mitchell oder Joanna Newsom erinnernder Folk für Fortgeschrittene ist das Ergebnis der Bob-Dylan-lastigen Plattensammlung des Vaters, eines klassischen Musikstudiums und der Vergangenheit als Jazzpianistin. Beeinflusst wurde Chaney wohl auch von allerlei wildem Zeug aus der Gegenwart. Die fast ätherische, aber immer substanzvolle Musik ihres neuen Albums "Shelter" klingt wie ein Segelflug über J.R.R. Tolkiens liebliches Auenland. Trotzdem sollte man Chaneys Songwriting keinesfalls als esoterisches Nullsummenspiel unterschätzen.

Viele Songwriterinnen werden mit Joni Mitchell verglichen. Künstlerinnen, die der Grande Dame der amerikanischen Poplyrik das Wasser reichen können, finden sich tatsächlich nur sehr selten. Wer auch schon einmal zu dieser Überzeugung gelangt ist, sollte sich Olivia Chaney und Titel wie "Dragonfly" anhören. Chaney, in Florenz geboren und in Oxford als Tochter eines musikbegeisterten Wissenschaftlers aufgewachsen, schreibt auf ihrem magischen Klavier kleine Folkopern und singt mit elfenhafter Stimme dazu. Ihre Musik hat etwas massiv Zeitloses. Würde man dem Hörer weismachen, sie wären 1970 entstanden, niemand fühlte sich veräppelt. Natürlich liegt dies an der Verwendung rein akustischer Instrumente - Klavier, Folkgitarre, Streicher, dazu Chöre -, aber auch an der alten Seele, die Olivia Chaneys Musik innewohnt.

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Die 1982 geborene Songwriterin komponierte ihr behütendes Werk, das nicht umsonst auf den Namen "Shelter" hört, in einem alten Haus, gelegen in den Hügeln des North Yorkshire Moors. Ein Gebäude ohne Strom und fließendem Wasser, wo sich die Künstlerin den "Basics" des Lebens hingab. Die Engländerin ist trotzdem keine Retro-Stilistin, sie kann noch nicht einmal etwas mit dem Begriff Folkmusikerin anfangen. Für sie geht es in ihrer Kunst vor allem um die Durchdringung von Inhalten und eine musikalische Aufbereitung ihrer Themen, bei der die Produktion möglichst wenig von Melodien, Akkorden und Worten ablenkt. Ihre Einflüsse reichen dabei von Igor Strawinsky über Michael Jackson bis hin zum heutigen Dancefloor, sagt sie.

Der Opener und Titelsong "Shelter" ist ein gutes Beispiel ihrer reduzierten Kunst. Hier wird kein Ton mehr gesungen als nötig, keine Note zu viel gespielt. Um das Gefühl von Geborgenheit beziehungsweise die Suche danach geht es auch in den meisten anderen Songs. Darunter zwei Coverversionen, die das breite Interessenspektrum Chaneys zeigen: "Long Time Gone" wurde bekannt durch die Everly Brothers, Henry Purcells Stück "O Solitude" stammt gar aus dem 17. Jahrhundert. "Shelter", das ungeheuer beruhigende, aber keineswegs gehaltlose neue Album Olivia Chaneys, ist Musik für Menschen, die das Schöne lieben und denen jegliches akustische Blabla zu viel ist.

Eric Leimann

Audio CD
Bewertungausgezeichnet
CD-TitelShelter
Bandname/InterpretOlivia Chaney
GenreSongwriter-Folk
Erhältlich ab15.06.2018
LabelNonesuch
VertriebWarner
Quelle: "teleschau - der mediendienst"


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