Musik / Backstage

Eine andere Romantik

Das Hamburger Songwriter-Urgestein Bernd Begemann gilt als wichtiger Pate der heute so erfolgreichen deutschen Popmusik. Sein neustes Projekt weist jedoch klar in die Vergangenheit. Zwölf Songporträts über junge Frauen, die Begemann in den letzten 30 Jahren schrieb, hat der Sänger mit dem Pianisten Kai Dorenkamp noch einmal neu eingespielt. Im Stil eines Romantischen Liederzyklus. Stilecht im dunklen Anzug geht das Duo nun auch auf Deutschlandtour, nur mit Begemanns Stimme und einem Konzertflügel. Das Eröffnungskonzert findet passenderweise in der Hamburger Elbphilharmonie statt. Was zunächst wie ein Witz des begnadeten, manchmal ein wenig überdrehten Entertainers Bernd Begemann klingt, ist im Hörtest tatsächlich ziemlich anrührend.

Für manche sind die berühmten Liederzyklen der Romantischen Klassik, also Werke wie Schuberts "Die schöne Müllerin" (1823) oder "Die Winterreise" (1827), so etwas wie der Prototyp der etwa 100 Jahre später einsetzenden Popmusik. Sofern man die Schlager der 20-er sowie die klugen Musicals und den Jazz der New Yorker Tin-Pan-Alley-Ära schon als Pop anerkennen will. Was die Romantischen Vorläufer des Pop mit der späteren "Gefühlsmusik" eint, ist die enge Verbindung von Text und Musik zum intensiven Gefühl, mit dem vorgetragen wurde.

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Mit emotionalem Timbre intonierten später, als die Schallplatte erfunden war, Spezialisten wie Hermann Prey Konzeptalben, die das Besungene geradezu mit Gefühl durchdrangen. Ähnliches versucht jetzt Bernd Begemann mit "Die Stadt & das Mädchen". Zwölf seiner Songs, allesamt Porträts junger Frauen, fasste der Hamburger Entertainer zu einer Erzählung über Aufbruch und Krise, weibliche Triumphe und düstere Niederlagen zusammen. Vorgetragen werden Lieder wie "Weg aus dem Tal und nach München", "Du wirst mein Süden sein" oder "Was macht Miss Juni im Dezember ..?" mit einer deutlicher "herausgearbeiteten" und unter größerer Spannung stehenden Stimme. Begemann singt seine Songs nicht völlig anders, und doch wird in seiner Darbietung deutlich, dass es hier nicht um Bar- oder Pop-Genuschel, sondern um einen starken Vortrag vom Bühnenrand geht.

Die Sensibilität seiner Geschichten ("Die Nacht vor der Abtreibung") erhält durch die zugrundeliegende Ernsthaftigkeit durchaus eine neue Tiefe, die lyrische Qualität des Werks wird stärker betont, als es im ansonsten eher selbstironischen Stil Begemanns üblich ist. Die Hälfte der Lorbeeren für dieses - trotz des alten Materials - spannenden neuen Werks gehören Begemanns exzellentem Pianisten Kai Dorenkamp, der auch in der Band Die Befreiung sein Partner ist. Dorenkamp spielt das "Romantische" Repertoire Begemanns wie ein großer Konzertpianist, sein Facettenreichtum ist erstaunlich. "Die Stadt & das Mädchen" zeigt, wie dynamisch Musik sein kann, die nur von einer Stimme und einem Klavier befeuert wird. Aus einer Idee, die sich bestenfalls skurril anhört, ist ein wirklich bemerkenswertes Album geworden. Eines, das noch einmal neu auf den besonderen Songwriter Bernd Begemann blicken lässt.

Eric Leimann

Quelle: "teleschau - der mediendienst"


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