Silent Hill: Shattered Memories
Das Grauen aus der Vergangenheit
Mehr als ein Remake: Elf Jahre nach Erscheinen des
PlayStation-Originals beschert Konami Wii- und PS2-Besitzern mit
"Shattered Memories" eine Neu-Interpretation seines
legendären Horror-Spekaktels "Silent Hill". Obwohl
handfeste Auseinandersetzungen mit Ausgeburten der Hölle
gestrichen wurden, steht der Kampf ums Überleben mehr denn
je im Mittelpunkt.
Die Ausgangslage ist dieselbe wie im Original, der Verlauf
der Geschichte jedoch ein anderer: Der verwitwete Schriftsteller
Harry Mason sucht in der Schauer-Kleinstadt Silent Hill nach
seinem verschwundenen Töchterlein Cheryl. Um sein
Mündel zu finden, erforscht Papa mit einer Taschenlampe jede
Gasse und jeden Hauskorridor. Doch ganz so tapfer und
kompromisslos wie auf der alten PlayStation ist Harry 2010 nicht
mehr: Wo der Familienvater früher zu Brechstange,
Heizungsrohr und Bleipuste griff, da ist er nun vor allem eins:
Pazifist. Entsprechend kommt das neue alte "Silent
Hill" ohne Waffen oder Keilereien aus. Mr. Mason wird hier
zum Opferlamm, das sich auf seiner Suche mit Schrecken
konfrontiert sieht, die es weder begreifen noch bekämpfen
kann.
Während sich der Spieler im diesseitigen "Silent
Hill" vor allem mit Schlüssel-Suche,
Korridor-Labyrinthen und Mini-Spiel-artigen Puzzles
beschäftigt, wechseln Tempo und Spielart drastisch, sobald
das Szenario in eine bereits aus dem Original bekannte
Höllen-Dimension verlegt wird: Es folgt eine wilde Hetzjagd
durch eine zu Eis erstarrte Welt, bei der Harry mit der Schulter
in vollem Lauf durch Türen donnert, unter halb
eingestürzten Wänden hindurchschlittert, über
Zäune hechtet und Mobiliar umstürzt, um seine
gesichtslosen, monströsen Verfolger abzuhängen. Und
wird der Flüchtige doch erwischt, dann muss er ein kurzes
Reaktionsspielchen über sich ergehen lassen, bei dem
besonders Wii-Flüchtige meist auf der Strecke bleiben:
Besitzer der Nintendo-Hardware müssen die Kreaturen
nämlich abschütteln, indem sie ebenso dürftig
abgefragte wie unerquickliche Fuchteleien und Verrenkungen mit
Wiimote und Nunchuk vollführen. Hier haben Spieler der
PS2-Version einen dezenten Vorteil: Statt Hampelei gibt's
wohl dosiertes und erfolgreicheres Button-Drücken.
Bei den zahllosen Puzzles wiederum punktet die Wii-Version: Man
schüttelt und verdreht aus der Ich-Perspektive leere Dosen,
entriegelt eine verrammelte Tür oder öffnet
Schränke und Kommoden, indem man sie regelrecht mit der
Wii-Fernbedienung "anfasst". Auch nett:
Handy-Gespräche, bei denen die Wiimote als Mobiltelefon
fungiert und die Stimme des Gesprächspartners aus dem
Mini-Lautsprecher der Fernbedienung dringt. Das Smartphone ist
nicht nur für Fotos von geisterhaften Silhouetten, wertvolle
Rätselhinweise und sinnfreies Telefonieren gut, sondern
dient auch als Menü, um das Geschehen abzuspeichern.
Vor jedem neuen Spielabschnitt geht's jedoch erst auf die
Couch des Psychiaters Dr. K: Hier zeigt sich ebenfalls, dass der
Titel klar auf die Wii zugeschnitten wurde. Aus der
Ego-Perspektive beantwortet Harry allerlei Fragen über seine
Vergangenheit, nickt oder verneint über eine entsprechende
Wiimote-Bewegung. Darüber hinaus wollen Tintenkleckse oder
Bilder von schlafenden oder toten Menschen interpretiert werden.
Auf diese Weise will "Shattered Memories" erfahren,
wessen Geistes Kind der Spieler ist, um das nächste Kapitel
dann seinen Vorlieben anzupassen. Gleichzeitig entscheidet sich
dadurch, welches der fünf Enden man zu Gesicht bekommt.
Die hier erspielten Unterschiede registriert freilich nur, wer
den Ausflug nach "Silent Hill" mehrmals wagt. Aber ist
das rund sechsstündige Abenteuer eine Wiederholungstat wert?
Bedingt. Trotz der launigen Interaktions-Einfälle und der
stimmungsvollen Grafik fehlt es der Neu-Interpretation des
Klassikers am nötigen Gruselfaktor: Die Verfolgungsjagden
sind eher nervig als schaurig. Dass sich der Spieler hilf- und
wehrlos fühlt, ist zwar gewollt - aber Spaß macht es
deshalb noch lange nicht, von den clever agierenden
Computer-Monstern ständig auf Trab gehalten zu werden.
Fazit: Insgesamt ein lobenswerter Ansatz, der die Erwartungen der
Fans aber kaum erfüllt, Genre-Neulingen jedoch wohligen
Grusel bescheren dürfte.
Robert Bannert| Silent Hill: Shattered Memories | | Erhältlich ab | 25.02.2010 |
| Hersteller | Climax |
| Vertrieb | Konami |
| Genre | Action-Adventure |
| Multiplayer | nein |
| Schwierigkeit | Für Fortgeschrittene |
| Alter | ab |
| Preis | ca. 40 Euro |
| Bewertung | | Grafik | Sound | Steuerung | Spielspaß | Gesamt |
| gut | gut | gut | befriedigend | gut |
Erhältlich für:
Wii, PSP, PlayStation2
Quelle: "teleschau - der mediendienst"