Mittwoch, 15.08.2018
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Games / Spieletests

Shadow of the ColossusNostalgie und Melancholie

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Wenn sich Kunst und Kommerz die Hand reichen: Eines der ungewöhnlichsten, womöglich sogar besten PlayStation-Spiele aller Zeiten wurde bereits zum zweiten Mal von Sony überarbeitet - und erscheint nun von Grund auf erneuert für PS4: "Shadow of the Colossus". Neben 4K-Grafiken und einer sanft modernisierten Steuerung besitzt das melancholische Meisterwerk von Fumito Ueda ("ICO", "The Last Guardian") nach wie vor einiges, das vielen aktuellen Titeln fehlt: Herz, Verstand, Atmosphäre, Einzigartigkeit ... kurzum: Magie.

"Shadow of the Colossus" ist ein buchstäblich gewaltiges Abenteuer, in dessen Verlauf Held Wanda mit 16 riesigen Kreaturen konfrontiert wird, die er zu Fall bringen soll. Nur so kann er ein totes Mädchen retten. Zumindest verspricht das eine ominöse Macht in einem uralten Tempel. Und Wanda willigt ein.

Auf den ersten Blick wirkt das Spiel wie eine sture Aneinanderreihung von Bosskämpfen mit gewaltigem Leerlauf. Denn zwischen den Duellen mit den Titanen reitet der junge Kerl meist auf seinem treuen Gaul Agro durch eine gewaltige, schrecklich einsame Gegend am Ende der Welt. Keine Menschenseele weit und breit. Entsprechend klein fällt die Zahl der Dialoge aus. Rätsel? Gibt es nicht. Nebenbeschäftigungen? Fehlanzeige. Langweilig? Keineswegs! Hier wird mit einer eingängigen Bildsprache und einem fantastischen Klangteppich eindrucksvoll das Gefühl der völligen Isolation vermittelt.

Um in den endlosen Grassteppen, verwinkelten Schluchten und düsteren Wäldern, die dank einer kompletten Rundumüberarbeitung in 4K-Auflösung und mit zahllosen Details erstrahlen, nicht den Überblick zu verlieren, besitzt der Held ein Schwert. Das ist Waffe und Navigationssystem zugleich: Reckt er es in die Sonne, weist ein Lichtstrahl grob den Weg zum nächsten Riesen. Wurde einer entdeckt, ist's vorbei mit der Ruhe. Dafür nimmt die Ratlosigkeit zu: Wie, bitte schön, soll man einen 30 Meter hohen Steinkoloss besiegen? Doch genau darin liegt der Reiz des Spiels. Während die Schwachstellen der ersten Urviecher noch recht schnell auszumachen sind, beißt man sich später die Zähne aus: Schnell schwindet Wanders Ausdauer bei den monströsen Klettereinlagen.

Doch die Freude über den Sieg gegen so ein Ungetüm währt nicht lange. "Shadow of the Colossus" hat es als Kunstwerk in Museen geschafft, weil es das Medium weitergebracht hat. Und weil es erstmals Gegner als Opfer darstellte, die Motivation des Spielers hinterfragte und ihn nach jedem Duell noch ratloser zurückließ: Tue ich überhaupt das Richtige?

Die Kritiker waren schon immer ein Freund dieses Spiels. Erfolgreich wie ein "FIFA" oder "Call of Duty" war "Shadow of the Colossus" jedoch nie. Umso erfreulicher, dass sich Sony zu einer aufwendigen Komplettrenovierung dieses melancholisch inszenierten Meisterwerks durchgerungen hat, um es einer neuen Gamer-Generation nahezubringen. Geblieben sind jedoch die etwas hakelige Steuerung, die nervöse Kamera - und die Melancholie. Denn ja, "Shadow of the Colossus" ist ein Spiel für Heulsusen und Feingeister. Verstörend, erheiternd, todtraurig und dann wieder atemberaubend spannend.

Gerd Hilber

Game
SpielnameShadow of the Colossus
HerstellerSony
VertriebSony
Erhältlich ab07.02.2018
Bewertung Gesamtsehr gut

Erhältlich für:
PlayStation

Quelle: "teleschau - der mediendienst"


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