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Assassin's Creed: OriginsIn die Wüste geschickt

Ubisoft verpasst seiner wichtigsten Spiele-Marke endlich den überfälligen Neuanstrich: Mit "Assassin's Creed Origins" wird die Serie um Meuchler, Templer und antike Hi-Tech-Artefakte ins alte Ägypten transportiert. Hier entdeckt der Spieler die Ursprünge des Assassinen-Ordens und wird mit generalüberholten Spielmechanismen verwöhnt: Ein neues Kampfsystem, Rollenspiel-Buchhaltung und ein riesiger Open-World-Kosmos verändern das bekannte Spielgefühl der Traditions-Reihe dramatisch. Dabei präsentiert sich Held Bayek als die letzte Hoffnung für eine während der letzten Jahre zunehmend in Kritik geratene Marke. Kann der ägyptische "Medjai" die Serie retten?

Der Job eines Medjai taugt auf den ersten Blick nicht gerade für den Stoff, aus dem Legenden sind - oder Videospiele: Vertreter dieser ägyptischen "Wüsten-Polizei" schlichten Streitigkeiten, beschützen Karawanen vor marodierenden Banditen und retten auch mal ein verirrtes Kind vor einem Rudel hungriger Hyänen. Wird die Berufsbeschreibung des Medjai aber großzügig ausgedehnt - zum Beispiel um eine packende Blutfehde mit hochrangigen Würdenträgern der ptolemäischen Regierung - dann hat man auch schon den Stoff, aus dem Assassinen-Abenteuer gemacht sind. Ganz nebenbei mischt Bayek noch beim Konflikt Ptolemaios gegen Kleopatra mit und errichtet das Fundament für den späteren Assassinen-Orden - alles Ehrensache.

Das Ägypten zur Zeit des ersten Assassinen ist alles andere als auf der Höhe: Die meisten der großen Tempel, Statuen, Krypten und Pyramiden liegen bereits unter dem Sand von Jahrhunderten begraben, während in ihrem Schatten hastig aus Lehmziegeln und Holz errichtete Elendsviertel wachsen. Selbst die alten Götter geraten zusehends in Vergessenheit. Osiris, Horus, Anubis, Thot & Co. müssen sich ihr Pantheon mit römischen und griechischen Götzen teilen.

Nirgendwo ist das kulturelle Potpourri so gut sichtbar wie in Alexandria: Das wird zwar von einem ägyptischen Pharao regiert, aber gleichzeitig marschieren römische Truppen durch die von griechischer Architektur geprägten Straßen. Gelehrte aus aller Herren Länder studieren die Papyri oder Pergamente in der Großen Bibliothek.

Durch diese gigantische und frei zu bereisende Spielewelt bahnt sich der angehende Assassine mit Schwert, Schild, Speer und Flitzebogen unaufhaltsam seinen Weg. Da werden Jahrtausende alte Katakomben ihrer Schätze beraubt, Pyramiden erklommen, wilde Tiere gejagt, Botengänge für gierige Händler erledigt und mit der Geschmeidigkeit einer Raubkatze die Truppen feindlicher Lager ins Jenseits befördert.

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Für all das hat sich Ubisoft so weit von seiner etablierten "Assassin's Creed"-Formel gelöst wie nie: Noch immer darf der Held Gebäude-Fassaden und Felswände emporkraxeln oder geduckt durch Palastgärten und Kornfelder schleichen. Doch abgesehen von Kletterei und Heimlichtuerei ähnelt "Origins" eher einem in die Wüste verlegten "Witcher 3" als einem klassischen "Assassin's Creed".

Attribute, Stufen, Erfahrungspunkte und Fähigkeiten-Baum machen aus dem einstigen Action-Adventure ein waschechtes Echtzeit-Rollenspiel, auch an den bekannten Open-World-Mechanismen wurde tüchtig geschraubt: Wenn Bayek das Land am Nil zu Fuß, per Reittier oder mit einem Boot erforscht, dann kann er sich dabei so frei bewegen wie kein Assassine vor ihm. Er darf nahtlos von der sengend heißen Wüste in einen von Nilpferden und Großkatzen bewohnten Palmenhain reisen. Oder auf ein Schilf-Boot wechseln, um mit seiner Hilfe den Hafen von Alexandria und Memphis anzusteuern, Schätze zu heben oder Kriegs-Galeeren aufzubringen. Verliert er dabei mal die Übersicht, schickt er seinen zahmen Falken Senu vor, der für ihn die Umgebung erkundet und Meuchel-Opfer markiert.

Das ist auch bitter nötig, denn das rundum erneuerte Kampfsystem macht die Gefechte gegen Banditen, Soldaten und Tiere deutlich anspruchsvoller: Vor allem das Gerangel gegen Hauptmänner und Bosse entpuppt sich schnell als tödlicher Tanz, bei dem Bayek über seinen Schild hinweg nach Schwächen in der feindlichen Deckung Ausschau hält und gezielt in die Manöver-Kiste greift. Erst auf höheren Erfahrungsstufen darf er mit kraftvollen Speerhieben durch den feindlichen Pulk pflügen oder die Waffen seiner Feinde mit Schwertstreichen zertrümmern - je nachdem, welchen Kampfstil der Spieler vorher entwickelt hat.

Vorteil des erneuerten Kampfsystems: mehr Schnelligkeit und Präzision. Damit gliedert es sich glanzvoll in eine ganze Reihe von Neuerungen ein, die zwar dafür sorgen, dass sich "Origins" vom bisherigen Serien-Kanon entfernt, die dem Spieler aber gleichzeitig ein angenehmes Maß an Kontrolle einräumen. Doch der eigentliche Star des Abenteuers ist sowieso weder Held Bayek noch der neue Spiel-Mechanismus, sondern die gigantische Spielwelt: Noch nie wurde ein historischer Schauplatz so lebendig, prachtvoll und authentisch für ein Spiel umgesetzt.

"Assassin's Creed Origins" beamt den Spieler ohne Umweg ins ptolemäische Ägypten und nimmt ihn dort so lange gefangen, bis der letzte Schurke gemeuchelt, alle Goldmünzen gefunden und jeder mögliche Erfahrungspunkt verdient wurde. Erzählerisch liefert Ubisoft einmal mehr keine Glanzleistung ab, außerdem hat der Hersteller abermals auf einen Multiplayer-Modus verzichtet - aber wer schon immer in die Vergangenheit des Nil-Deltas springen und in ägyptischen Gräbern auf Schatzjagd gehen wollte, den schreckt das nicht.

Robert Bannert

Game
SpielnameAssassin's Creed: Origins
HerstellerUbisoft
VertriebUbisoft
Erhältlich ab27.10.2017
Bewertung Gesamtsehr gut

Erhältlich für:
PlayStation, Xbox

Quelle: "teleschau - der mediendienst"


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