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Super Mario OdysseyMütze und Schnauzbart für alle!

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Auf Krise könnte Krönung folgen: Nintendo hat mit der Switch offenbar einen Volltreffer gelandet. In den USA ist das Hybrid-Gerät bereits seit drei Monaten hintereinander die meistverkaufte Konsole, die Produktion wurde hochgefahren. Nun erscheint "Super Mario Odyssey" - das erste echte "Mario"-Abenteuer, wenn man so will. Und was für eins! Das Comeback der Knollennase strotzt nur so vor irren Ideen und könnte der Switch zum endgültigen Durchbruch verhelfen.

So innovativ "Super Mario Odyssey" im späteren Verlauf auch sein mag - alles beginnt mit der seit Jahrzehnten gleichen Ausgangssituation: Bösewicht Bowser hat mal wieder Prinzessin Peach entführt. Um die Hochzeit zu vereiteln, verlässt Mario das Pilzkönigreich und reist rund um den Globus - sogar der Besuch in einer ungewohnt realistischen Großstadt-Kulisse steht auf dem Programm. Immer mit dabei: Eine magische Mütze, die ähnlich gut gelaunt ist wie ihr Träger. Zwei schelmisch dreinblickende Comic-Augen geben "Cappy" Charakter.

Der Clou der Kappe: Schleudert Mario sie gegen einen Feind, kann er buchstäblich in dessen Haut fahren. Deutlich erkennbares Merkmal des erfolgreichen "Caper-Manövers": Die "Besessenen" tragen ab sofort Hut und Schnurrbart. Mario übernimmt dabei auch die Fähigkeiten der Widersacher. Als Klempnerfisch kann der Held entspannt die Tiefsee erforschen, als T-Rex Felsen zertrümmern und als Kettenhund auch mal einen der abgefahrenen Boss-Gegner in den Allerwertesten beißen. Und ist ein Feind nicht "caper-bar", lässt er sich wenigstens durch gezielten Hut-Beschuss ausschalten.

Damit haben sich die Besonderheiten des neuen Mario-Abenteuers aber lange nicht erschöpft: Wie ein "Mario 64" und "Mario Galaxy" setzt auch "Super Mario Odyssey" weniger auf knifflige Jump&Run-Kost als vergleichsweise entspannte Erkundung. Als Belohnung für abgeschlossene Aufgaben winkt fast immer ein magischer Sichelmond: Der wandert später ins nächste Upgrade für Marios Luftschiff - die "Odyssey".

Nur mit genug Monden im Gepäck kann das Hut-Vehikel die Reise zum nächsten Level antreten. Für den Weg dahin empfiehlt Nintendo übrigens, die beiden Joy-Cons von der Switch beziehungsweise aus der Pad-Schale zu lösen: Die verschiedenen Hutwurf-Manöver lassen sich zwar genauso auf Button-Druck und mit dem Pro-Controller auslösen, wurden aber für die Bewegungssteuerung der Joy-Cons konzipiert. Kurze Schlenker und Dreh-Bewegungen, um die Kopfbedeckung durch den Level wirbeln, kreisen oder auf der Stelle verharren zu lassen - das fühlt sich fast so an wie zu seligen Wii-Zeiten.

Spielwelten wie eine von mexikanischen Calaveras-Skelettköpfen bewohnte Wüste oder die von der Party-wütigen Bürgermeisterin Pauline regierte Stadt "New Donk City" wiederum fühlen sich so an, als hätte man es mit kleinen "Open Worlds" zu tun: Hier kann Mario nach Herzenslust laufen, forschen und hopsen - viele verborgene Winkel und Schätze der brillant designten Miniatur-Kosmen sind allerdings nur zugänglich, wenn er die Fähigkeiten von gekapertern Gegnern richtig einsetzt. Die Verwandlungen sind also mehr als nur ein Gag.

So will Bürgermeisterin Pauline zu Ehren des Ex-Klempners ein großes Festival ausrichten - benötigt aber zunächst dessen Hilfe, um die nötigen Musiker zusammenzutrommeln. Die halten sich aber an oft nur schwer zugänglichen Orten der City auf. Also muss sich Mario in eine Stromladung verwandeln, um dann kreuz und quer durch das Kabelnetz der Stadt zu huschen.

Aber keine Sorge: Auch klassische Jump&Run-Eskapaden stehen nach wie vor auf dem Programm. So darf Mario durch grüne Rören schlüpfen, um von der dritten in die zweite Dimension zu reisen. Anschließend hüpft er als Flachmann über animierte Wand- und Boden-Reliefs, die Nintendo den klassischen 8-Bit-Episoden seines Maskottchens nachempfunden hat. Sogar einen vom "Donkey Kong"-Automaten inspirierten Level hat man auf diese Weise in das neue Mario-Abenteuer integriert.

In der Leichtigkeit, mit der hier Witz und Herausforderung eine perfekte Symbiose eingehen, liegt die wahre Kunst der Entwickler, für die "Spiel" immer auch "Spaß" bedeutet. Nintendo hält das Klempner-Erbe also selbst im modernen 3D-Kosmos gelungen lebendig - auch wenn der eine oder andere jüngere Spieler den aufgezwungenen Retro-Intermezzi vermutlich nur wenig abgewinnen kann.

Ähnlich gewöhnungsbedürftig ist der kunterbunte Grafik-Stilmix: Welten wie Paulines City-Universum sind zwar interessant, wollen aber nicht so recht ins übliche Cartoon-Bild der Mario-Marke passen - ebenso wie der Ausflug in einen skurrilen Plastik-Dschungel, bei dem Nintendos Designern endgültig die Gäule durchgegangen sind.

Wer sich aber mit dem zunächst gewöhnungsbedürftigen Grafik-Potpourri und dem Verzicht auf harte Jump&Run-Arbeit zugunsten Adventure-ähnlicher Erforschung anfreunden kann, bekommt mit "Super Mario Odyssey" das beste "große" Klempner-Spiel seit "Mario Galaxy 2". Für Switch-Besitzer ist die mit aberwitzigen Einfällen gespickte Odyssee ein klarer Pflichtkauf.

Robert Bannert

Game
SpielnameSuper Mario Odyssey
HerstellerNintendo
VertriebNintendo
Erhältlich ab27.10.2017
Bewertung Gesamtsehr gut

Erhältlich für:
Nintendo

Quelle: "teleschau - der mediendienst"


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