Musik / CD

B-Tight: A.i.d.S. RoyalVoll aggro hängengeblieben

Schon zu Zeiten des legendären Berliner Labels Aggro Berlin stand Rapper B-Tight ein wenig im Schatten seiner Crew-Kollegen. Während Sido, Bushido und Fler irgendwann die Spitze der Charts eroberten oder zumindest einige Achtungserfolge erzielten, blieb B-Tight eine Randerscheinung, ein beliebtes Feature. Ja, ein Mann der ersten Stunde, aber einer, der in seiner musikalischen und lyrischen Entwicklung stagnierte. Das merkt man insbesondere, wenn man sein inzwischen siebtes und leider auch etwas nerviges Album "A.i.d.S. Royal" hört.

Als Rückkehr zu den Wurzeln verkleidet, ist "A.i.d.S. Royal" (die Abkürzung verweist auf die berühmte Aggro-Formation "Alles ist die Sekte") ein Relikt aus einer eigentlich längst überwundenen Zeit. Die Texte strotzen vor pubertären, gedankenlosen Sexvergleichen, die weit über die Grenze zum Sexismus hinausgehen. Unter anderem macht B-Tight Homosexualität auch wieder zur Grundlage für Beleidigungen: "Für die HipHop-Polizei bin ich ein ehrenloser Ketzer / Doch die Hälfte dieser Schwuchteln hätte mich gerne als Stecher". Das fühlt sich so progressiv an wie ein Urzeitfisch mit Beinen und Lunge, der lieber wieder ins Meer zurückwandert.

Immer wieder versucht B-Tight, das unter dem Deckmantel von schwarzem Humor und Schockeffekt zu rechtfertigen. Dabei ignoriert er allerdings völlig, dass wir im Jahr 2018 leben und nicht mehr in den Anfangstagen von Aggro Berlin und Sidos "Arschficksong". Das nervt nicht nur, sondern ist auf Albumlänge schlichtweg frustrierend.

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Das Erfrischendste an "A.i.d.S. Royal " sind die treibenden, schnellen Beats, die im Zeitalter des Trap durch ihren Retro-Charme aufhorchen lassen. Doch B-Tight zerstört diese Grundlage immer wieder mit ideenlosen Haus-Maus-Reimstrukturen, wie sie ein Grundschüler schreiben könnte. Womöglich ist ohnehin jeder Reim auf " A.i.d.S. Royal " in den letzten 20 Jahren schon einmal auf einem besseren Release aufgetaucht.

Seine B-Rolle zementiert B-Tight schlussendlich selbst mit einer Bonus-EP, die er gemeinsam mit Sido aufnahm. Irgendwann mal mit ähnlichen Voraussetzungen gestartet, stiehlt Sido seinem Kumpel B-Tight mit einer an Nonchalance und Selbstverständlichkeit kaum zu überbietenden Darbietung auf jedem Song die Show. An seinem Status als Ikone des Berliner Untergrund-Raps wird das alles nichts ändern. B-Tight war einmal Teil von etwas Großem. Mit Ausnahme der Bonussongs ist "A.i.d.S. Royal" aber trotzdem nur ein Ärgernis.

Arne Lehrke

Audio CD
Bewertungenttäuschend
CD-TitelA.i.d.S. Royal
Bandname/InterpretB-Tight
Erhältlich ab23.02.2018
LabelJetzt Paul
VertriebGroove Attack
Quelle: "teleschau - der mediendienst"


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