Musik / Backstage

"Ich stehe fest im Leben"

gibt sich auf ihrem neuen Album als lebensfrohe Kämpfernatur

Aufregender könnte das Leben für Anna-Maria Zimmermann kaum sein: Alles begann 2006 mit dem sechsten Platz bei "DSDS". Danach folgten eine Solokarriere, das erste Album "Einfach Anna!" im Jahr 2010, ein tragischer Hubschrauber-Unfall, Koma und ein gelähmter Arm, das Comeback auf der Schlagerbühne. Die Sängerin hat bereits fünf Alben veröffentlicht, hinzu kommen diverse Moderationen, Auszeichnungen wie der "Ballermann-Award" oder die "Goldene Antenne", die Hochzeit mit ihrem Mann Christian Tegeler und zuletzt die Geburt ihres Sohnes Matti ... Und all das mit noch nicht einmal 30 Jahren! Anna-Maria Zimmermann hat schon viel erreicht und will nun mit ihrem sechsten Studioalbum, einer Mischung aus Pop und Schlager, wieder die Charts stürmen. Im Interview verrät sie, welche Geheimnisse hinter ihrem neuen Album stecken, wie die Zusammenarbeit mit Dieter Bohlen war, wie die "DSDS"-Zeit sie beeinflusst hat und wie es ihr gefällt, frischgebackene Mutter zu sein.

teleschau: Auf Ihrem Album "Sorgenfrei" singen Sie sehr viel über Liebe, aber auch von Problemen und Enttäuschungen. Haben Sie eine Botschaft?

Anna-Maria Zimmermann: Ja. Ich will sagen, dass, obwohl die meisten von uns sorgenfrei sind, trotzdem nie alles perfekt ist. Und dass das ganz normal ist. Es gibt immer Alltagsprobleme - sie gehören zum Leben. Es ist nicht immer alles rosarot, es scheint nicht jeden Tag die Sonne, es gibt auch ein bisschen Gewitter und Sturm.

teleschau: Passt das zu Ihnen?

Zimmermann: Auf jeden Fall. Ich bin jemand, der eher über das Positive singt, aber ich werde älter und reifer und bin jetzt Mama geworden, da denkt man über viele Dinge anders nach. Ich fand es interessant, etwas mehr vom echten Leben in die Songs zu packen.

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teleschau: Was bedeutet Ihnen die erste Single "Scheiß egal"?

Zimmermann: (lacht) Das ist ein sehr positiver Song. Mit dem Lied möchte ich allen Müttern sagen: "Scheiß egal, wir sehen mal nicht perfekt aus! Scheiß egal, wenn mal was nicht richtig funktioniert! Scheiß egal, wenn in der Beziehung mal nicht alles perfekt ist - ich bin für dich da, du bist für mich da, ich liebe dich, und wir meistern das." Das ist ein total positives "Scheiß egal". Ja, das verstehen manche nicht, hab' ich gemerkt.

teleschau: Inwiefern?

Ich habe kürzlich einen bitterbösen Brief gekriegt, von einem Fan oder Nicht-Fan, ohne Adresse. Dieser Mensch hat mich auf zwei Seiten ganz schön blöde angemacht, wie ich so etwas wie "Scheiß egal" im öffentlichen Fernsehen überhaupt singen kann. Verstehe ich nicht, diese Empörung. Wir sind im 21. Jahrhundert, und wie oft sagen wir so etwas einfach mal so dahin. Das ist nicht böse gemeint. Vermutlich hat er nicht drüber nachgedacht und nur die Worte "scheiß egal" gehört und ist ausgetickt.

teleschau: Einige Radiosender haben den Song schon aus ihrem Programm genommen, weil ihn manche Hörer kritisierten ...

Zimmermann: Sprache entwickelt sich doch ständig weiter. Und "Scheiß egal" ist für mich mittlerweile ein Ausdruck aus dem täglichen Leben. Im Fernsehen durfte ich mit dem Titel auftreten.

teleschau: Haben Sie einen Lieblingssong auf dem Album?

Zimmermann: Was ich spannend finde, weil es nicht so der Schlagersound ist, ist "Ich will dich küssen heute Nacht". Das ist so eine tolle, positive Sommer-Gute Laune-Nummer. Was ich auch gut finde, ist "Leb' als wärs der letzte Tag". Ein toller Satz: Man sollte einfach jeden Tag genießen und jeden Tag ausleben und nicht denken, morgen wird alles besser. Man sollte heute schon versuchen, das Beste draus zu machen.

teleschau: Wie war die Zusammenarbeit mit Dieter Bohlen?

Zimmermann: Ich war sehr, sehr aufgeregt. Irgendwie nervöser als bei anderen. Ich weiß gar nicht warum. Es war ein bisschen wie erster Schultag, erste Klasse, ich wusste ja nicht, was auf mich zukommt. Nach einer Stunde aber war das dann wie abgeschüttelt. Ich war wieder bei mir, wir haben herzlich zusammen gelacht und waren auch konzentriert bei der Arbeit. Ich habe im Nachhinein gemerkt, das ist genau das, was Dieter gut findet. Wenn man sich in einem Studio trifft, dann hat man sich gut vorbereitet, dann weiß man, was man tut, man hat sich mit den Titeln auseinandergesetzt und gibt Vollgas. Ich glaube, das hat ihm imponiert. Er war so: "Wow, Anna, so macht Studioarbeit Spaß". Und für mich war's: "Oh, ja, Gott sei Dank!" (lacht)

teleschau: Ist er privat anders als im Fernsehen?

Zimmermann: Ich habe damals in der "DSDS"-Zeit schon gesagt, dieses Bild, das viele von Dieter Bohlen haben mit seinen ganzen Sprüchen, das ist nicht unbedingt der wahre Dieter Bohlen, sondern das ist das Bild der TV-Show. Wenn wir ehrlich sind, finden wir alle total lustig, was er für Sprüche bringt, und eigentlich schalten wir auch deshalb ein. Hinter den Kulissen war er auch vor zwölf Jahren schon sehr höflich und sehr respektvoll. Er hat immer gesagt: "Nimm dir das alles immer nicht so zu Herzen." Und genauso war das jetzt auch wieder. Wir haben auch über Matti gesprochen und über sein Privatleben, das fand ich schön. Er ist ein ganz normaler Typ wie du und ich.

teleschau: Haben Sie mal darüber nachgedacht, Jurorin bei "DSDS" zu werden?

Zimmermann: Nein, hab ich noch nicht. Aber das ist auch nicht meine Entscheidung, das ist die Entscheidung vieler. Ich sage mal so, ich könnte es mir wahnsinnig gut vorstellen. Ich finde diesen Wandel von "Deutschland sucht den Superstar" in letzter Zeit toll: dass mal Deutsch gesungen wird, dass man mehr zurück zur Muttersprache geht und dass auch die jungen Leute, die vor dem Fernseher sitzen, mit dieser Schlagermuttermusik groß werden. Also: Wenn die mich fragen würden, würde ich nicht nein sagen. Aber bis jetzt hat mich noch keiner gefragt.

teleschau: Haben Sie den Eindruck, dass "DSDS" das Richtige war? Würden Sie das auch heute noch weiterempfehlen?

Zimmermann: Ja, total. Ich sag immer, ich bin als Kind zu "DSDS" gegangen und bin als junge Frau nach Hause gekommen - weil ich das erste Mal weg von zu Hause war und alleine klarkommen musste. Man hat in kürzester Zeit so viel gelernt: Was ist hinter der Kamera? Wie gehe ich mit den Leuten um? Wie gehe ich mit der Presse um? Es war wie ein Crash-Kurs. Ich hatte von nichts eine Ahnung, und als ich wieder kam, hatte ich einen Durchblick. Ich finde das als Startschuss super. Man darf nur nicht meinen, jetzt gehe ich zu "DSDS", bin dann in den Top 20, und dann wartet die ganze Welt auf mich, und ich werde ein Star. Dass sie überzogene Erwartungen haben, ist manchmal leider das Problem der jungen Leute. Es bleibt auch danach ein harter und steiniger Weg, und das unterschätzen die alle so ein bisschen. Es muss auch nach "DSDS" hart gearbeitet werden.

teleschau: Wie haben Sie sich als Person seit 2006 weiterentwickelt?

Zimmermann: Man wird einfach sicherer auf der Bühne. Ich weiß noch, wie ich früher manchmal vor Live-Jobs mit Magenschmerzen hinter der Bühne stand: Gott, schaffe ich das alles? Kriege ich das hin? Heute stehe ich hinter der Bühne und freue mich, dass es in zehn Minuten los geht und mache mir keinen Kopf mehr darum, ob irgendwas nicht gut sein könnte. Das sind die Erfahrungen, die man macht. Früher konnte ich zwei Wochen vor einer Florian Silbereisen-Sendung nicht schlafen. Heute fahre ich hin und freue mich total. Das ist immer noch etwas Besonderes für mich. Und so ist es mit vielen Dingen im Leben. Man wird sicherer, weil man mittlerweile auch weiß, was einem guttut und was nicht, und wie man sich am wohlsten fühlt - egal ob bei einem Fotoshooting oder im Tonstudio.

teleschau: Bereiten Sie sich trotzdem noch auf die Auftritte vor?

Zimmermann: Ja, das schon. Natürlich muss man immer im Training sein, gerade auch jetzt bei einem neuen Album. Da sind neue Titel, die man noch nicht richtig kennt, die man sich wieder so ein bisschen reinziehen muss - im Gegensatz zu den Nummern wie "1000 Träume", die ich schon 5.000 Mal auf der Bühne gesungen habe. Ansonsten ist es so, dass ich mich immer sehr gut vorab informiere: Wo sind wir am Wochenende, was sind das für Auftritte oder was sind das für Locations? Ich bin eh immer ein, zwei Stunden vorher da, und dann ... geht es los.

teleschau: Sie haben auch schon mal moderiert. Können Sie sich später auch einen Weg ins Filmgeschäft vorstellen?

Zimmermann: Wir haben jetzt wieder ein Video gedreht, da musste ich Emotionen spielen. Schon anstrengend, so in die Szenen zu verfallen. Ich bin jemand, der dann einen Lachkrampf kriegt. (lacht) Es war echt nicht ohne. Aber ja, ich fände das spannend, zur Abwechslung mal in die Schauspielerei zu gehen. Aber ich habe auch einen Heidenrespekt davor, das ist echt harte Arbeit.

teleschau: Mitte Dezember sind Sie Mutter geworden. Wie funktioniert der Spagat zwischen Mutter-Sein und Musik, Auftritten und neuem Album?

Zimmermann: Man braucht einen guten Kalender und einen klaren Kopf. Ich würde jetzt lügen, wenn ich sagen würde: ist total einfach, mache ich doch mit links. Es ist schon eine Aufgabe, weil natürlich Matti oberste Priorität hat und ich mit den Gedanken erst mal bei ihm bin. Ich muss mich jetzt nicht mehr nur um mich selber kümmern. Heute gibt es wichtige neue Fragen für mich: Wo ist mein Kind? Wann kommt er mit, wann kommt er nicht mit? Wer ist da? Kriege ich das alles hin? Aber bis jetzt hat immer alles super geklappt: Alle kümmern sich - mein Mann, der selbstständig ist, der sich aber auch was freiräumen kann, wie er es braucht, unsere Eltern, die da sind, und wir haben ein Au-Pair-Mädchen für ein Jahr, und das ist schon Mattis erste große Liebe (lacht).

teleschau: Sind denn noch mehr Kinder geplant?

Zimmermann: Hm, das weiß ich noch nicht (lacht). Es ist jetzt nicht so, dass ich sage, das muss jetzt sofort passieren, weil ich mich natürlich erst eimal mit Matti beschäftigen und das in vollen Zügen genießen möchte. Und dann gucken wir mal.

teleschau: Also gefällt Ihnen das Mutter-Sein?

Zimmermann: Ja, total.

teleschau: In den sozialen Medien gehen Sie ja relativ offen mit Fotos von Ihrem Sohn um, wo viele andere Stars eher versuchen, ihr Privatleben geheimzuhalten und keine Fotos von ihren Kindern zu veröffentlichen. Was sind Ihre Gedanken dahinter, warum machen Sie das?

Zimmermann: Ich hatte mit meiner Geschichte schon viele Negativ-Schlagzeilen. Ich finde, dass meine Fans und die Leute, die lange schon hinter mir stehen und seit zehn Jahren an meiner Seite sind, es verdient haben, die schönen Dinge in meinem Leben mitzubekommen. Da sind mein Mann und ich recht offen. Wir sagen uns: Was soll denn jetzt passieren, wenn ich ein Foto von Matti poste? Wird er morgen geklaut? Er sieht alle zwei Wochen wieder total anders und nicht mehr wie auf dem Foto aus. Wenn er mit ein, zwei Jahren dann vor mir steht und sagt: "Oh Mama, geh mit deinem Handy weg, du nervst mich", dann ist das auch okay. Ist ja nicht so, dass ich Matti bekommen habe, nur um jeden Tag Bilder von meinem zuckersüßen Sohn zu machen. Das sind Bilder aus dem Leben, und genau das wollen die Fans: Wie lebt denn Anna? Was macht denn Anna? - Ja, Anna gießt die Blumen und hat Matti vor den Bauch geschnallt. Ich kann manchmal diese Muttis, die sich darüber aufregen, nicht verstehen.

teleschau: Sie werden dieses Jahr 30 Jahre alt. Macht Ihnen das was aus, verändert die Zahl etwas?

Zimmermann: Ich war gerade 22 (lacht). Schlimm, schlimm, schlimm. Nein, das macht mir nichts aus, aber es ist schon irgendwie erschreckend, dass das jetzt schon so ist. Mein Mann lacht sich kaputt und sagt, bei ihm steht bald die vier vorne. Aber ich kann auch sagen, was ich mit 30 Jahren schon für tolle Sachen erleben durfte: Ich habe einen tollen Mann, eine tolle Familie, ich habe jetzt einen tollen Sohn. Manche wissen mit 30 noch nicht, wo es im Leben hingehen soll. Ich kann sagen, dass ich fest im Leben stehe.

teleschau: Haben Sie Zukunftspläne?

Zimmermann: Es soll natürlich alles weitergehen. Ich bin mal gespannt. Wenn man jetzt in eine Zeitkugel gucken könnte, wie lange man wohl im Schlagergeschäft bleiben wird ...

teleschau: Ist das eine Altersfrage?

Zimmermann: Ich will das nicht glauben. Ich bin so lange im Schlagergeschäft, wie die Leute mich sehen und hören wollen. Nehmen Sie zum Beispiel Mary Roos, die Künstlerin, die ja auch in meinem Management ist. Sie ist eine tolle Person, und wenn ich mit ihr lange zusammensitze, dann denke ich immer: Wow, Mary ist ja auch fast 70, ob ich wohl in dem Alter noch so gut aussehe und ob ich wohl noch Musik mache? Ob ich wohl dann noch so dabei bin? Es ist schon interessant, wenn man so darüber nachdenkt, aber Sorgen mache ich mir keine!

Sarah Kohlberger

Quelle: "teleschau - der mediendienst"

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