Dienstag, 21.11.2017
11:08 Uhr


Musik / Backstage

Ein Leben nach "Bibi & Tina"

veröffentlicht ihr neues Album "Ego"

Lina Larissa Strahl, die am 15. Dezember 20 Jahre alt wird, ist seit einigen Jahren Deutschlands größter Kinderstar. Möglich machte die Karriere der zierlichen Blonden aus Seelze bei Hannover Detlev Bucks Filmreihe "Bibi & Tina". Vier liebevoll ironische Familien-Blockbuster, die verrückt genug waren, um auch Erwachsenen zu gefallen, starteten zwischen 2014 und 2017 im Kino und gehörten zu den jeweils erfolgreichsten Filmen des Jahres. Auch die Gesangskarriere Linas, wie sie sich heute nennt, bekam durch "Bibi & Tina" einen Schub. Die - tatsächlich gute - Popmusik der Filme steuerte allerdings ein Team um das ehemalige Rosenstolz-Mitglied Peter Plate bei. Auf ihren eigenen Alben klingt Lina Larissa Strahl durchaus anders, wie man schon auf ihrem Debüt "Official" Anfang 2016 hören konnte. Das Album hielt sich 35 Wochen in den Charts und sorgte für zwei Tourneen mit vollen Hallen. Nun ist der Nachfolger "Ego" fertig, mit dem Lina ihre Hörer weiterhin auf durchaus eigene Art am Erwachsenwerden teilhaben lässt.

teleschau: Sie veröffentlichen anderthalb Jahre nach Ihrem Debüt das zweite Album. Fühlen Sie sich mittlerweile mehr als Musikerin denn als Schauspielerin?

Lina: Momentan steht die Musik im Mittelpunkt. Die Schauspielerei ist aber nicht weg. Ich merke einfach, dass ich mich voll auf eine Sache konzentrieren muss, damit es gut wird und mir richtig Spaß macht.

teleschau: Nach dem ersten Album tourten Sie intensiv, begannen dann mit neuen Aufnahmen. Klingt irgendwie so, als hätten Sie mehr Lust aufs Leben im Studio und mit der Band als vor der Kamera ...

Lina: Das erste Album war auch ein bisschen ein Experiment. Wir haben einen Sound gebastelt, der authentisch war, aber von dem keiner wusste, ob er den Leuten gefällt. Es war schon eine ganz andere Musik als die der "Bibi und Tina"-Filme. Es hatte Erfolg und die Fans kamen zu den Konzerten. Bei den ersten Gigs waren wir als Band noch ganz frisch. Wir mussten erst mal selbst mit dieser Größe und der Live-Situation klarkommen. Als deutlich wurde, das Ganze ist ein Erfolg, wollten wir sofort weitermachen.

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teleschau: Inwiefern klingt das zweite Album anders als das erste?

Lina: Es ist erwachsener, aber es ist immer noch Lina. Wir spielen immer noch diese Mischung aus Pop, modernem Rock und ein bisschen HipHop. Auch ein cooler Radio-Popsong ist darauf, er heißt "Leicht". Aber das Lina-Ding ist keineswegs verloren gegangen.

teleschau: Was ist denn das Lina-Ding?

Lina: Für mich bedeutet es, dass alle Lieder zu einhundert Prozent authentisch sind. Dass ich aus einer Laune heraus schreibe und die Songs genau das darstellen. Es sind alles Situationen, durch die ich schon mal gegangen bin. Es geht um die Art und Weise, wie ich lebe. So ist das erste und auf das zweite Album entstanden.

teleschau: Was bedeutet "erwachsener"?

Lina: Das erste Album ist schon noch ein bisschen pubertär. Da war ich eben auch noch 17 oder 18. Jetzt merke ich, dass ich auf vieles schon von oben draufschaue und mehr reflektiere. Aber nicht so, dass das Ganze seine Leichtigkeit verlieren würde. Ich finde eher, die Songs sind dadurch stärker geworden.

teleschau: Sie schreiben mit einem festen Songwriter- und Produzententeam. An welchem Sound orientieren Sie sich?

Lina: Die beiden, mit denen ich hauptsächlich schreibe, sind mittlerweile fast meine besten Freunde. Wir fühlen uns tatsächlich als Team. Unsere Vorbilder sind auch noch mal andere geworden. Wenn es beim letzten Mal eher Avril Lavigne oder Taylor Swift waren, höre ich auf diesem Album mehr Selena Gomez und Zara Larsson. Wir haben probiert, diesen coolen englisch-schwedischen Popstil auf Deutsch hinzubekommen. Wir wollten nicht diesen typischen deutschen Pop machen.

teleschau: Was ist denn typischer deutscher Pop?

Lina: Alles, was man im Radio hört. Nicht, dass ich das schlecht fände, aber wir wollten etwas anderes machen. Wir wollten herausstechen.

teleschau: Zwischen den beiden Alben lag der letzte "Bibi und Tina"-Film. Es war klar, dass es für Sie der letzte sein würde. Aber was kommt jetzt in Sachen Schauspiel?

Lina: Ich habe im letzten Frühling in England in der zweiten Staffel der Serie "The Lodge" für Disney mitgespielt. Einen Monat lang auf Englisch. In Deutschland wird das im nächsten Frühjahr zu sehen sein.

teleschau: Wie kommen die in England auf eine deutsche Jungschauspielerin?

Lina: Wahrscheinlich durch meine "Vaiana"-Synchronisation, nehme ich an. Ich war da aber ganz normal beim Casting.

teleschau: Spielen Sie ein englisches Mädchen?

Lina: Ja! Und ich dachte bis zuletzt, dass sie meine Stimme am Ende durch einen Native Speaker ersetzen würden. Aber das war nie geplant. Ich spreche schon ganz gut Englisch, aber ich wusste nicht, dass es reichen würde, um als Engländerin durchzugehen. Wir drehten in Nordirland, und die Leute vom Team fragten mich, ob ich aus London käme. Das war natürlich ein tolles Kompliment (lacht). Ich glaube, ich habe ein Talent, die Sprache meiner Umgebung aufzusaugen und so wiederzugeben. Einige im Team sagten nämlich nach diesem einen Monat, ich hätte mittlerweile einen irischen Zungenschlag.

teleschau: Sie haben sicher auch Angebote aus Deutschland ?

Lina: Ja, es gab einiges. Aber ich habe wegen der Musik alles abgesagt. Wie schon erwähnt, ich muss mich auf eine Sache konzentrieren. Das ist ganz wichtig für mich. Die Anfragen kamen vom "Tatort" bis hin zu Kinofilmen. Meistens waren es lebensfrohe Mädchen. Aber es gab auch ein paar Rollen, die genau konträr zu meinem Image lagen. Eher so rebellische Sachen. Ich würde das gerne ausprobiere. Ich bin auch großer "Game of Thrones"-Fan. Etwas in diese Richtung wäre natürlich toll. Ich würde auch mal einen deutschen, historischen Film drehen.

teleschau: Sie haben mal in einem Interview verraten, dass Sie seit fünf Jahren keinen Urlaub gemacht haben. Das hört sich nicht so gesund an ...

Lina: Es waren tatsächlich immer nur ein paar Tage, die ich frei hatte. Das hatte immer mit "Bibi und Tina" zu tun. Meine Ferien waren stets für Projekte da. Jetzt bin ich seit anderthalb Jahren aus der Schule raus. Aber auch diese erste Zeit nach dem Abi steckte voll mit Projekten. Jetzt war ich endlich mal zwei Wochen auf Ibiza mit meinem Freund. Da habe ich mich ein halbes Jahr drauf gefreut.

teleschau: War das eine große Umstellung? Spürten Sie vielleicht sogar eine Leere?

Lina: Es ging mir eigentlich ganz gut. Ich hatte hohe Erwartungen an den Urlaub und das Wetter war anfangs ziemlich bewölkt. Aber das Entschleunigen war toll. Ich bekam Handy-Verbot von meinem Freund, was ich natürlich nicht zwei Wochen lang durchziehen kann. Es gibt ja auch mal etwas zu entscheiden. Das Gute war, es gab da eh nicht so viel Netz. Das hilft! Ich spüre schon immer wieder mal den Zwang, nachzugucken, aber es hat ganz gut funktioniert.

teleschau: Hatten Sie in der Zeit ohne Urlaub nie Lust, einfach mal alles hinzuschmeißen und das Abhänger-Leben Ihrer Altersgenossen zu führen? Sie haben auf jedem der beiden Alben immerhin einen Song darüber geschrieben!

Lina: Ich kenne diesen Impuls auf jeden Fall. Letztes Jahr gab es mal drei Monate, in denen ich zusammengerechnet zwei freie Tage hatte. Das fühlte sich nicht gut an. Wenn ich mit meiner Mama, meinem Papa oder Freund unterwegs bin, ist es etwas anderes. Dann ist auch etwas Privates mit dabei, das bringt mich im positiven Sinne auf den Boden. Wenn ich aber meistens alleine auf dem Hotelzimmer sitze, bekomme ich mit der Zeit meine Grenzen in Sachen Stress aufgezeigt. Weil ich das erlebt habe, plane ich in diesem Jahr anders. Es muss auch mal Zeiten geben, wo es ruhig wird. Man muss wissen, wie viel man auf sich nehmen kann. Das habe ich letztes Jahr gemerkt.

teleschau: Wie genau spüren Sie, dass Ihnen etwas zu zu viel wird?

Lina: Indem mir die Dinge keinen Spaß mehr machen. Vielleicht machen Sie sogar noch ein bisschen Spaß - aber der Stress überwiegt.

teleschau: Sind Sie ein ehrgeiziger Mensch?

Lina: Ja. In dem Sinne, dass ich es gut machen will. Ich will überall mit gestalten, von den Autogrammkarten bis zu den Songs. Ich bin nicht der Typ, der alles laufen lässt.

teleschau: Arbeiten Sie auch so intensiv, weil Sie Existenzängste haben? So nach dem Motto: Popstar ist jetzt mein Job, ich muss alles richtig machen?

Lina: Nein, Existenzängste spüre ich nicht. Ich mache das alles einfach sehr gerne. Sowohl die Schauspielerei als auch die Musik. Es wäre schade, wenn es aufhört. Aber mein Leben wäre nicht zerbrochen. Ich könnte auch studieren, einen Job machen. Mein jetziger Job hat den Vorteil, dass er spannend ist. Du kannst dir auch einiges leisten, hast aber nicht die Zeit dafür. Es macht aber einfach sehr viel Spaß.

teleschau: Was tun Sie, wenn keiner mehr Ihre Platten kauft und kein Filmangebot mehr kommt?

Lina: Dann wäre ich traurig. Wegen der ganzen Arbeit, die wir da reingesteckt haben.

teleschau: Das wird auch nicht passieren. Zumindest nicht in der nächsten Zeit. Aber was wäre, wenn es in drei oder fünf Jahren so käme?

Lina: Dann würde ich wohl immer noch studieren.

teleschau: Und was?

Lina: Ich denke, Geschichte und Französisch.

Eric Leimann

Quelle: "teleschau - der mediendienst"

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