Dienstag, 21.11.2017
20:27 Uhr


Musik / Backstage

Ein Leben nach der Melancholie

Normalerweise braucht es für die Rede von einem Comeback eine längere Zeitspanne. Nicht so bei Gisbert zu Knyphausen: Sieben Jahre nach seinem letzten Soloalbum und fünf Jahre, nachdem er mit Kidd Kopphausen "I" veröffentlichte, kehrt der Songwriter-Liebling der hiesigen Indieszene auf die öffentliche Bühne zurück. Mitgebracht hat der 38-Jährige diesmal eine ganze Band, neue Instrumente, Computergefrickel, englische Songs - und eine lebensbejahende Abkehr von der tiefen Melancholie. Die schweren Jahre und der Rückzug nach dem Tod seines Freundes und Kollegen Nils Koppruch scheinen überstanden. So gesehen ist Knyphausens neue Platte "Das Licht dieser Welt" selbstverständlich ein Comeback. Ein wirklich gelungenes überdies.

Auf ein Lied über die Trauer und die Zeit danach hat er verzichtet. Aus dem Loch, in das Gisbert zu Knyphausen nach dem tragischen Tod von Nils Koppruch 2012 fiel, ist der gebürtige Wiesbadener herausgeklettert, um es anschließend mit neuem Mut zu füllen. Präsent ist Koppruch, der vor sieben Jahren überraschend verstarb, kurz nachdem er gemeinsam mit Knyphausen ein gemeinsames Album veröffentlicht hatte, natürlich auch ohne Abschiedslied.

Dafür schrieb Knyphausen einen begonnenen Song seines Freundes und Kollegen fort und zu Ende, der die Essenz des gesamten Albums auf den Punkt zu bringen versteht: Das Lied "Etwas Besseres als den Tod finden wir überall" zelebriert das Leben in Koppruch'scher Manier, die sich Knyphausen nun zu eigen macht: "Wir gründen eine Band und spielen bis zum Morgengrauen", lautet die Ode an seinen Freund und an das Dasein schlechthin, das auch im wundervollen Titelsong "Das Licht dieser Welt" gefeiert wird.

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Ja, tatsächlich, es scheint vorbei mit der Schwermut der beiden ersten Alben. Was natürlich nicht heißt, Knyphausen zöge sich in den Wohlfühl-Unsinn gewisser anderer deutscher Songwriter zurück. Im Gegenteil: "Unter dem hellblauen Himmel" lobpreist ganz dialektisch die Freiheit - auch jene, die der Tod bringt. In "Sonnige Grüße aus Khao Lak, Thailand" versetzt sich der sonst so Innerlichkeitsfixierte in eine andere, eine traurige Existenz. Wie auch in "Stadt Land Flucht", einem musikalisch hübsch experimentellen Blick auf die Einsamkeit in der Großstadt.

Und wenn es die heiße Melancholie von einst schon sein muss, dann ironisch gebrochen: "Meine geliebten Erinnerungen, wo wollt ihr denn ohne mich hin?", fragt sich Knyphausen in "Kommen & Gehen". Man kann sagen: Er nimmt sie einfach mit in die Zukunft, die Erinnerungen. Versieht sie mit neuer Lust am Leben und am Musikmachen. Mit kompletter Band, mit leichten elektronischen Anleihen, mit Instrumenten abseits der Gitarre, mit Instrumental-Songs - und, man höre, mit zwei englischsprachigen Stücken.

"Teheran smiles" und "Cigarettes & Citylights" klingen so, wie man es sich für einen englischsprachigen Knyphausen immer ausgemalt hatte: Irgendwo zwischen The Notwist und Element of Crime, vornehm intoniert, mit charmantem Kraut-Akzent. Die auch dadurch entstehende Distanz, sie ist gelungenes Programm auf "Das Licht dieser Welt". Gelungen ist Gisbert zu Knyphausen ein Abschütteln des ewigen Melancholie-Klotzes, eine vielperspektivische Annäherung an andere Lebenswelten - und damit nicht zuletzt ein erleichterndes, ein frohes, ein hoffnungsvolles Mini-Comeback.

Maximilian Haase

Quelle: "teleschau - der mediendienst"

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