Musik / Backstage

Nimm das, Justin Bieber!

"We know where you fucking live", singt Marilyn Manson in dem gleichnamigen Song, den er kürzlich als Vorgeschmack auf sein neues Album veröffentlichte. Er weiß also, wo wir wohnen? "Klasse", denkt man sich da, "dann komm doch gerne mal vorbei!" Einst war Manson der meistgehasste Musiker der USA, heute geht Manson kaum noch als "umstritten" durch. Der inzwischen 48-jährige Schockrocker wirkte zuletzt müde, und er ermüdete Fans wie Kritiker. Doch es geht weiter, nach zahlreichen Verschiebungen kommt ein neues Album. Immerhin: "Heaven Upside Down" enthält die besten Manson-Songs seit 15 Jahren. Justin Bieber wird sie sich genau anhören.

Dass er bei seinem zelbstzerstörerischen Lebensstil überhaupt so lange durchhalten würde, hätten ihm wohl nur die wenigsten zugetraut: "Heaven Upside Down" ist Marilyn Mansons zehntes Studioalbum. Die letzten vier allerdings waren kaum noch der Rede wert. Warum? Weil Manson faul geworden ist, oder aber, weil ihm die Inspiration fehlte. Vielleicht auch, weil er immer so viel Absinth und Wodka trinkt. Dass er kürzlich bei einem Konzert in New York unter einem umstürzenden Bühnenteil begraben wurde und sich verletzte, passt ins Bild eines Künstlers, der zuletzt selten eine wirklich gute Figur machte.

Die beste Figur hat Brian Warner immer dann gemacht, wenn er seiner Schöpfung Marilyn Manson noch ein zusätzliches konzeptionelles Korsett anlegte - wenn es ein Programm gab. Egal, ob er die heilige Institution der Familie schändete, sich zum "Antichrist Superstar" ernannte, Hollywood der Lächerlichkeit preisgab oder einen künstlerischen Anschlag auf den Präsidenten verübte: Mit jedem seiner frühen Alben griff Manson die Grundpfeiler der amerikanischen nationalen Identität an, und stets passte er seine Musik wie auch die ihm eigene Anti-Ästhetik an das jeweilige Thema an.

Irgendwann gingen Manson dann die angemessenen Zielscheiben aus. Vor wenigen Jahren erklärte er, dass er die schockierenden Auftritte von Miley Cyrus gar nicht schockierend fände. Erst kürzlich gab es dann Beef mit Justin Bieber, weil der bei öffentlichen Auftritten ein Manson-Shirt trug. "Ich hab dafür gesorgt, dass du wieder relevant bist", hatte Bieber nach Mansons Rüge geätzt.

mehr Bilder

Einen Text, in dem Manson es dem Bieber direkt zurückgibt, findet man auf "Heaven Upside Down" nicht. Aber Manson singt wieder viel von "whores" (Huren) und haut Kampfansagen heraus wie "If you wanna fuck, I will fuck you". Ob er damit nun Bieber meint, Miley Cyrus oder Donald Trump, das bleibt im Unklaren. Man stellt aber in jedem Fall fest, dass Manson wieder viel von seiner alten Galligkeit zurückgewonnen hat. Und: Er zeigt auf "Heaven Upside Down", dass er doch noch als Musiker zu gebrauchen ist. Einige der neuen Songs gehören sogar zu den besten, die er je hervorgebracht hat - allen voran die heimliche Bauhaus-Hommage "Saturnalia".

Manson zeigt erstmals seit vielen Jahren, dass er es "noch drauf hat". Und doch passt es irgendwie nicht. "Tattooed In Reverse" beschwört mit schweren Beats und Synthie-Dröhnen die Electro-Apokalypse, "Kill4Me" spielt mit 80er-Pop-Appeal, und "Say10" klingt wie ein Überbleibsel aus der "Antichrist Superstar"-Ära. So wurden Songs, die vielleicht zwei sehr gute EPs abgegeben hätten, zu einem nur noch ordentlichen Album zusammengeworfen, dem inhaltlich wie musikalisch der rote Faden fehlt.

Was ärgerlich ist, weil man bei Mansons Zehntem endlich mal wieder das Gefühl hat, dass er doch noch an die großen Erfolge von damals anknüpfen könnte - wenn er sich nur etwas mehr Mühe gäbe. Genügsamere Fans dürfen "Heaven Upside Down" dennoch feiern: Als "Fuck You" für alle, die Manson schon komplett abgeschrieben haben, hinterlässt dieses Album in jedem Fall einen bleibenden Eindruck.

Marilyn Manson auf Tournee:

16.11., Hamburg, Sporthalle

18.11., München, Zenith

20.11., Wien (A), Planet.tt Bank Austria Halle Gasometer

25.11., Berlin, Velodrom

29.11., Düsseldorf, Mitsubishi Electric Halle

John Fasnaugh

Quelle: "teleschau - der mediendienst"


Versenden Drucken

Weitere Artikel



Ed Sheeran feat. Beyoncé - Perfect

CD-Archiv

CD-Archiv

Suchen Sie in der Radio Euskirchen - CD-Datenbank nach Interpreten und/oder CD-Titeln.

Ticketshop

Sichern Sie sich im Radio Euskirchen Ticketshop die Tickets Ihrer Wunschveranstaltung!

Anzeige
Zur Startseite