Kino

Wenn der Vater mit dem Sohne

Harrison Ford und Ryan Gosling stellten in Berlin "Blade Runner 2049" (Kinostart: 5. Oktober) vor

Irgendwie undankbar war ihr Auftritt schon. Wie soll man sich auch mit der Presse über einen Film unterhalten, den die Journalisten noch gar nicht sehen durften. Um "Blade Runner 2049" (Kinostart: 5. Oktober), die heiß ersehnte Fortsetzung von Ridley Scotts Meisterwerk "Der Blade Runner" aus dem Jahr 1982, machen Studio und Verleih jedenfalls ein Staatsgeheimnis. Erstaunlich daran ist, dass es bislang wirklich keine Leaks gab. Noch erstaunlicher aber ist die gute Laune, die Cast und Crew bei der obligatorischen Pressekonferenz in Berlin verbreiteten. Vor allem die Hauptdarsteller Ryan Gosling und Harrison Ford machten fröhliche Mienen zum traurigen Spiel.

Das große Geheimnis über die Zukunft der Menschheit durften der neue (Gosling) und alte Blade Runner (Ford) nicht lüften. Sie gaben im noblen Berliner Hotel Adlon am Brandenburger Tor trotzdem ihr bestes, um einen Film anzupreisen, von dem die Presse lediglich die Trailer und ein paar zusätzliche Filmausschnitte, eine Handvoll zusammenhangloser Szenen, sehen durfte. Zu wenig für eine ernsthafte Pressekonferenz.

Also flüchten sich Harrison Ford und Ryan Gosling zunächst in Scherze. Die waren ziemlich billig, funktionierten aber. Ford verriet, dass er unbedingt mit diesem "Wie heißt er doch gleich? Brian?" zusammenarbeiten wollte. "Ryan, ich heiße Ryan", erwiderte sein Nachbar mit gespielter Gereiztheit. Gelächter im Saal, das Eis war gebrochen. "Ich dachte die ganze Zeit, er hieße Brian."

Es folgte ein Schlagabtausch zwischen dem alten und neuen Blade Runner, die sichtbar Spaß daran hatten, sich wie Vater und Sohn anzufrotzeln: "Ich schlug den Produzenten sofort vor, dass die Rolle des neuen Blade Runners doch perfekt für Brian, äh Ryan wäre", plauderte Ford drauf los. Die hatten den "La La Land"-Star freilich längst auf den Schirm: "Ich musste sogar erfahren, dass sie zuerst mit ihm gesprochen hatten, bevor sie auf mich zukamen." Ford konnte auch geknickt spielen. "Und dann erfuhr ich, dass Ridley Scott gar nicht Regie führen wollte. Dafür machte es der andere Mann da, dieser Denis."

Regisseur Denis Villeneuve saß neben Gosling und Ford auf dem Podium, ebenso die Produzenten Andrew Kosove und Broderick Johnson sowie die Schauspielerinnen Sylvia Hoeks und Ana de Armas. Alle waren ziemlich locker, keine Spur von Nervosität. Sie haben einen guten Film gemacht, davon sind sie überzeugt. Das gehört freilich zu einem PR-Termin dazu, nur dass diesmal niemand Angst vor schlechten Kritiken oder kritischen Fragen haben musste.

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Von Nervosität also wirklich keine Spur? Wer genau hinsah, bemerkt, dass die zur Schau gestellte professionelle Unverbindlichkeit dann doch einen gewissen Druck überspielte, den alle Beteiligten verspürten. "Blade Runner" ist ein Kultfilm. Die Fortsetzung muss sich also nicht nur dem Urteil von Berufskritikern stellen, sondern auch den kritischen Blicken einer Heerschar von Fans, die das Original auswendig kennt. Quasi im Vorbeigehen soll "Blade Runner 2049" auch noch die Brücke zu einem neuen Kinopublikum schlagen.

Und dann durfte niemand etwas sagen über den Film. "Ich kann kaum erwarten, dass der Film ins Kino kommt. Ein fantastisches Werk, über dass ich Ihnen nichts verraten werde" - inhaltsleerer kann ein Statement über einen Film nicht sein. Immerhin verriet Harrison Ford noch, warum er nach 35 Jahren überhaupt noch mal auf Replikantenjagd ging.

Es lag - natürlich - am Drehbuch. "Vorher las ich noch eine kleine Story von Hampton Fancher und Ridley Scott, die eine Art Fingerübung verfasst hatten, bevor es ans Drehbuch ging". Das habe ihn sehr überzeugt, "weil Story und Figuren meiner Meinung nach sinnvoll weiterentwickelt wurden. Der erste Film steckt in mir drin, alles andere war eine Erweiterung, eine schöne Erfahrung."

Für Ryan Gosling war "Blade Runner 2049" eine Premiere. "Ridley Scotts Film kam ja", sagt er mit keckem Blick zum älteren Herren nach links "ins Kino, als ich zwei Jahre alt war." Das erste Mal gesehen habe er ihn, als er zwölf war. "Es war einer der ersten Filme, bei dem ich nicht wusste, wie ich mich fühlen sollte, als er vorbei war, ein völlig verquerer, romantischer Albtraum."

Natürlich sei Gosling damals nicht bewusst gewesen, wie ikonisch der Film war, wieviel Einfluss er auf die Popkultur hatte, in der er aufwuchs. "Für mich war die Idee einer Fortsetzung vor allem aus Fansicht interessant. Ich wollte wissen, wie's weitergeht". Das konnte er als Teil der Geschichte aus erster Hand erfahren - gemeinsam mit Harrison Ford.

Der freute sich 35 Jahre nach dem ersten "Blade Runner" nicht nur über das Drehbuch, sondern auch über die echten Bühnenbilder, die Denis Villeneuve bauen ließ: "Für mich ist es als Schauspieler sehr angenehm, wenn ein Regisseur sein Verlangen nach CGI zügeln kann. Bei allem Potenzial, dass in Computer-generierten Welten steckt, verliert man doch schnell das menschliche Maß aus den Augen."

Ausnahmsweise war Fords junger Nachfolger Ryan Gosling derselben Meinung: "Für Denis war es ohnehin ein Wagnis, diesen Film zu machen, mit all dem Gepäck, dass er durch das Original mitbrachte. Die Bühnenbilder waren vor allem auch Monumente seiner Courage, diesen Film anzugehen. Man spürte, dass er ziemlich weit gehen würde, um seine Vision umzusetzen."

Eine Vision übrigens, die wohl so düster wird, wie Ridley Scotts einst war, obwohl sich Denis Villeneuve in Galgenhumor rettete: "Die gute Nachricht ist doch, wenn man sich 'Blade Runner 2049' anschaut: Die Menschheit existiert noch." Man kann also davon ausgehen, dass "Blade Runner 2049" kein Science-Fiction-Film über die Zukunft ist, sondern einer über die Gegenwart. "Ich hoffe", sagte Ryan Gosling, "wir enden nicht dort, wo 'Blade Runner 2049' hinführt." Unsere ganze Technologie, die eigentlich helfen soll, mache die Menschen sehr einsam.

Unterstützung bekam er von Harrison Ford, der zu den Umweltproblemen, die 1982 schon Thema waren, meinte: "Der erste Film sagte die Zukunft ziemlich gut voraus, damit hat sich Denis weiter auseinandergesetzt. Wir sind Teil der Natur, und wenn wir sie weiter so behandeln, wie wir es tun, dann sind wir einfach nicht menschlich." Auch Xenophobie, Sexismus und Abschottung sollten heute eigentlich unmöglich sein: "Wir sitzen doch alle im selben Boot. Wir haben keine Zukunft, außer wir wachsen zusammen."

Andreas Fischer

Quelle: "teleschau - der mediendienst"

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