Kino / Portraits

"Da hinken wir den Amis hinterher"

Theresa Scholze spielt die Hauptrolle im TV-Zweiteiler "Daheim in den Bergen" (Freitag, 4. und 11. Mai, 20.15 Uhr, Das Erste)

Theresa Scholze sagte einmal, dass sie gerne mehr physische Rollen spielen möchte. Dieser Wunsch ist nicht in Erfüllung gegangen, schließlich gibt es im deutschen Fernsehen ja kaum Genreproduktionen, wie sie selbst konstatiert. Für die Naturliebhaberin, die in ihrer Kindheit viel Zeit auf dem Land verbracht hat, dennoch kein Grund, traurig zu sein. Dramen und Romanzen kann sie nämlich auch ganz gut - sogar sehr gut. Die 38-Jährige entstammt einer Schauspielerfamilie und kam bereits als Kind mit den darstellenden Künsten in Berührung. Mittlerweile hat sich Theresa Scholze als Charakterdarstellerin auf dem deutschsprachigen TV-Markt etabliert, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Auch im ARD-Zweiteiler "Daheim in den Bergen" (Freitag, 4. und 11. Mai, jeweils um 20.15 Uhr) ist sie Teil eines größeren Ensembles und überzeugt als Anwältin, die in die Heimat zurückkehrt, um Vater und Schwester juristisch zu unterstützen. Was sie als Familienmensch an der Rolle besonders gereizt hat, erzählt sie im Interview.

teleschau: In "Daheim in den Bergen" wird die von Ihnen gespielte Figur Anwältin, um ihrer Familie zu helfen. Glauben Sie, der Werdegang einer Person wird auch im wahren Leben von der Familie beeinflusst?

Theresa Scholze: Ja, das glaube ich. Lisa, meine Film-Figur, ist Anwältin geworden, um einen alten Familienstreit aus dem Weg zu räumen. Wenn man es genau nimmt, hätte sie eigentlich auf der Alm bleiben müssen, um dort ihrer Familie zu helfen. Aber ich glaube, dass das im Leben oft so ist. Dass Kinder den Beruf der Eltern ergreifen, weil sie sich da so gut auskennen. Bei Schauspielern sind oft die Eltern Künstler, bei Rechtsanwälten studieren die Kinder Jura. Ist ja nichts Schlechtes.

teleschau: Wie war das bei Ihnen? War es Ihr Entschluss, Schauspieler zu werden, oder gab es den Ratschlag durch die Familie?

Scholze: Geraten wurde mir das definitiv nicht. Als Schauspielerkind ist es am Theater natürlich üblich, dass die Kinder schon als Statisten eingesetzt werden. Ist auch praktisch für die Eltern, dann haben sie den Nachwuchs direkt während der Arbeit bei sich. Dadurch hatte ich schon Schauspielluft geschnuppert, und ich war auch in der Theatergruppe. In der Pubertät habe ich mir dann aber selbst die Frage gestellt, ob ich das nur mache, weil meine Eltern das tun. Dann habe ich ein Jahr lang überhaupt kein Theater gemacht und war stattdessen im Reitklub. Nach der Schule habe ich auch erst mal ein Semester Psychologie studiert. Um dann festzustellen, dass es wohl doch mein Wunsch ist, Schauspielerin zu werden. Was auf der Hand lag, lag nun mal auf der Hand.

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teleschau: Geboren sind Sie im Altenburger Land in Thüringen. Jetzt haben Sie im Allgäu auf dem Land gedreht - kam Ihnen das bekannt vor, oder war das etwas gänzlich Neues?

Scholze: In der Kindheit habe ich viel Zeit auf dem Land verbracht. Aber das Allgäu ist wieder etwas komplett Anderes. Man hat nirgends ein Großstadtfeeling. Es ist viel ruhiger, man hat das Gefühl, die Zeit sei stehen geblieben. Die Menschen leben sehr viel mehr im Einklang mit der Natur.

teleschau: Was tun Sie, um zu entspannen?

Scholze: Die Natur ist wahnsinnig wichtig für mich. Ich liebe es, in den Park zu gehen. Oder ich gehe joggen. Ich mag das, wenn die Vögel zwitschern und die Natur erwacht. Da gibt mir sehr viel. Ich bin ein sehr naturaffiner Mensch.

teleschau: Sie sagten einmal, dass Sie gerne mehr körperbetonte Actionrollen spielen möchten. Das hat nicht ganz geklappt, wenn sich Ihre bisherigen Rollen ansieht. Woran liegt's?

Scholze: Im deutschen Fernsehen haben wir nicht so viele Actionsachen. Im Grunde genommen gibt's nur "Alarm für Cobra 11 - Die Autobahnpolizei", und da sind hauptsächlich die Autos wichtig. Es wird in Deutschland in diesem Bereich nicht viel produziert. Da hinken wir den Amis hinterher. Es gab einfach nicht so viele Angebote, in denen ich quer durch die Gegend rennen muss oder mich sportlich betätigen kann (lacht).

teleschau: Was hat Sie an dem Zweiteiler "Daheim in den Bergen" gereizt?

Scholze: Wenn dich eine Geschichte berührt, dann magst du da auch mitspielen. So war es auch hier: Ich finde es toll, dass es in "Daheim in den Bergen" um Familie geht. Ich bin ein Familienmensch. Ich finde es toll, dass die verschiedenen Generationen in den beiden Filmen mitwirken. Das klingt erst mal kitschig, aber so habe ich es beim Lesen des Drehbuchs nicht empfunden. Die Figuren sind nicht durchweg positiv, sondern vielschichtig. Auch meine Figur ist nicht zu jeder Sekunde sympathisch. So was finde ich reizvoll. Wir spielen nicht nur "Malen nach Zahlen", sondern es wird versucht, eine komplexe Geschichte zu erzählen. Wo das ganze spielt, war bei der Entscheidung zweitrangig.

teleschau: Wie sieht Ihre momentane familiäre Situation aus?

Scholze: Ich bin unverheiratet, lebe aber in Köln mit meinem Partner zusammen, für den ich auch extra aus Potsdam hergezogen bin. Wir sind seit vier Jahren zusammen. Er hat zwei wundervolle Kinder. Und ob wir noch welche zusammen kriegen, das überlassen wir mal der Natur (lacht).

teleschau: Haben Sie noch viel Kontakt zum Rest Ihrer Familie?

Scholze: Ja, auf jeden Fall. Das ist mir auch total wichtig. Weil ich zu meiner Schwester, meiner Mutter und meinem Vater ein sehr enges Verhältnis habe. Und auch zu deren neuen Partnern. Das ist Patchwork im besten Sinne! Ich fahre immer einmal im Monat für ein paar Tage nach Potsdam in die Heimat. Und dann hofft man, dass man alle unter einen Hut bekommt: Die Familie und die alten Freunde. Und ich fahre immer mit der Bahn! Immer schön umweltfreundlich! (lacht)

teleschau: Wo stellt sich dann ein Heimatgefühl ein?

Scholze: Bevor ich von Potsdam weggezogen bin, dachte ich immer, die Heimat trägt man in sich selbst. Aber wenn ich jetzt dorthin zurückkomme, merke ich schon, dass ich mich in Potsdam sehr heimisch fühle. Das gibt es Orte, die absolute Heimat für mich darstellen. Da liegen meine Wurzeln. Und das wird wohl auch so bleiben.

teleschau: Was schauen Sie privat, wenn Sie fernsehen?

Scholze: Das ist total unterschiedlich. Ich schaue auch gerne mal deutsche Filme. Oftmals aber zeitlich versetzt in der Mediathek. Ich schaue viel Netflix und Amazon Prime. Da bin ich neugierig und interessiert an allem, was es gibt. Was ich eher selten schaue, ist der "Tatort". Das sind einfach so viele geworden mittlerweile. Aber hin und wieder, wenn mal ein guter dabei ist, schalte ich natürlich auch ein.

teleschau: Wie empfinden Sie das Angebot im deutschen Fernsehen generell?

Scholze: Ich finde es schon okay, dass die Deutschen im Fernsehen kaum Actionfilme machen. Das ist jetzt auch nicht zwingend die Stärke des deutschen Fernsehens. Dramen und Familiengeschichten hingegen können wir einfach richtig gut. Und das gucke ich mir auch gerne an. Andere Länder machen eben andere Genres ein bisschen besser. Ich bewerte das nicht. Nur weil ich gerne Sport mache, heißt das ja auch nicht, dass ich permanent Actionfilme gucke (lacht)! Rein inhaltlich bietet dir so ein Drama als Schauspieler natürlich auch mehr.

teleschau: Gab's beim Dreh im Allgäu besondere Erlebnisse, an die Sie sich gerne zurückerinnern?

Scholze: Die Viehscheid! Das war etwas, was ich so überhaupt nicht kannte. In anderen Regionen nennt man das Almabtrieb - wenn das Vieh wieder ins Tal getrieben wird, weil es zu kalt wird. Da haben wir Original gedreht, zwei Tage lang, quasi dokumentarisch. Ich war wirklich überrascht, wie das läuft. Das wird dort richtig gefeiert! Die Leute tragen Trachten, und sogar die Kühe werden geschmückt. Ich kannte das vorher nur aus dem Fernsehen und dachte immer, das wäre so ein Bild für die Öffentlichkeit, das gerne fotografiert wird, aber die Leute dort leben das richtig.

teleschau: Haben Sie und das Team dann auch mitgefeiert?

Scholze: Na klar! Abends wurde Musik gespielt und getanzt. Alle hatten gute Laune, es war sehr traditionell, aber trotzdem modern. Und dann noch der gute Käse! An jedem zweiten Drehort konnten wir Käse direkt von der Alm kaufen. Der schmeckt einfach so viel besser, als das, was man im Supermarkt kauft. Ich als großer Käsefan bin da voll drauf abgegangen (lacht).

teleschau: Gibt es eine Rolle, die Sie unbedingt in Ihrer Karriere mal spielen wollen?

Scholze: Keine konkrete Rolle, nein. Aber ich würde gerne mal historische Sachen drehen. Allein wegen der Kostüme macht das ja schon Spaß!

Markus Schu

Quelle: "teleschau - der mediendienst"

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