Kino / Portraits

Mit Helene Fischer in der Jugendherberge

Fantasy / Martin Hein Die Schlagerstars veröffentlichen am 9. März "Das große Jubiläumsalbum"

Eigentlich sollte nicht nur Martin Hein gut gelaunt beim Plattenlabel Sony sitzen, sondern auch sein Kollege Fredi Malinowski. Zusammen bilden die beiden Sänger das Duo Fantasy. Doch der gebürtige Kroate liegt krank im Bett, und so muss Martin Hein den Interviewtag alleine stemmen. Kein Problem für einen professionellen Schlagersänger: Immerhin ist der Mann seit nunmehr 20 Jahren ein Profi in Sachen gute Laune. Im Interview erklärt er, warum es schwer ist, ernste oder gar politische Schlager zu schreiben, wie man es schafft, trotz Gerichtsvollzieher im Nacken noch an die Karriere zu glauben, und er erinnert sich daran, wie er mit Helene Fischer in einer Jugendherberge übernachtete.

teleschau: 20 Jahre Fantasy - welche Höhepunkte lassen Sie besonders gerne Revue passieren?

Martin Hein: In Kurzform wäre das die erste Single und, dass dann der Traum vom ersten Album auch noch wahr geworden ist. Man muss bedenken, wir hatten lange Zeit keine großen finanziellen Möglichkeiten, kein Management und auch keine Plattenfirma. Trotzdem sind wir heute erfolgreich. Wir haben nur verdammt lange gebraucht, um an diesen Punkt zu kommen.

teleschau: Und inzwischen haben Sie ja auch schon eine Menge Auszeichnungen bekommen.

Hein: Die allererste Goldene Schallplatte war ein unglaublicher Moment, und es ist eine riesige Ehre, so veredelt zu werden. Wir hatten inzwischen schon Platin bekommen, aber das erste Gold ist eine andere Liga - gerade in einer Zeit, in der CD-Verkäufe immer schwerer werden. Dann kam die erste Echo-Nominierung. Inzwischen sind wir die Leonardo DiCaprios der Echos: Wir waren schon fünfmal nominiert und haben noch nie gewonnen.

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teleschau: Wie erklären Sie sich das?

Hein: Da reichen zwei Namen: Andrea Berg und Helene Fischer. Ist eine von ihnen nominiert, sieht es für uns schlecht aus. Die Echo-Feier macht aber trotzdem immer wieder irre viel Spaß.

teleschau: Höhepunkte gab es also viele in ihrer Karriere, aber was ist mit Tiefpunkten?

Hein: Da gab es noch mehr (lacht). Wenn jeder von uns solo unterwegs gewesen wäre, dann hätten wir schon lange hingeschmissen. Ich habe noch deutlich die Zeiten im Kopf, als der Kühlschrank und der Benzintank leer waren, und die Gerichtsvollzieher sich die Klinke in die Hand gedrückt haben. Aber da wir zu zweit waren, haben wir uns gegenseitig ermutigt. Und man muss sagen: Zwischen Fredi und mir gab es in 20 Jahren nie ernsthaft Streit.

teleschau: Jetzt haben Sie schon 20 Jahre hinter sich, wo sehen Sie sich in 20 Jahren?

Hein: Wir machen Musik, so lange die Fans das hören wollen. Wenn das mal nicht mehr der Fall sein wollte, orientieren wir uns im Musikbusiness um und schreiben vielleicht Songs für andere Künstler.

teleschau: Wie würden Sie denn die Marke Fantasy beschreiben?

Hein: Verrückt, fleißig und erfolgreich.

teleschau: Beim Best-Of Album haben Sie Fans entscheiden lassen, welche Songs zu hören sind?

Hein: Ja genau, unsere Fans konnten über Facebook abstimmen. Es war sehr spannend, eine Hitliste von unseren Hörern zusammenstellen zu lassen und den eigenen Geschmack hintenanzustellen.

teleschau: Was macht für Sie den perfekten Schlager aus?

Hein: Es ist eine gute Mischung aus eingängiger Melodie und einfachem Text, sodass die Fans schnell mitsingen können. Wenn der Text zu kompliziert ist, dann liefert man vielleicht eine schöne Ballade, die auch zum Nachdenken anregt, aber die nicht zum Gesamtpaket passt.

teleschau: Bei Ihnen geht es in vielen Lieder um Liebe, wie erklären Sie sich das?

Hein: Liebe ist ein Gefühl, das die Menschen weltweit immer beschäftigt. Außerdem gibt es im Bereich Liebe viele einzelne Emotionen: Vom frisch Verliebtsein bis hin zum Trennungsschmerz. Egal, in welcher Sprache gesungen wird, 80 Prozent aller Songs befassen sich mit der Liebe.

teleschau: Gibt es ein Thema, über das Sie unbedingt noch schreiben wollen?

Hein: Wir hatten uns überlegt, die Umweltsituation der Welt in einem Song aufzuarbeiten, um auf Missstände aufmerksam zu machen. Aber ich denke, es gibt andere Künstler, die eine so ernste Botschaft wesentlich besser transportieren können als wir. Fredi und ich veranstalten auf der Bühne eine Gaudi, und unsere Alben unterhalten. Wir interessieren uns sehr wohl für solche Themen, aber unsere Fans wollen vor allem unterhalten werden und nicht mit ernsten Themen konfrontiert.

teleschau: Heißt das, Schlager können nicht ernst sein?

Hein: Doch, aber eher auf persönliche Weise und nicht auf politische oder weltanschauliche. Wir haben einmal einen berührenden Brief von einer jungen Frau bekommen, die wir daraufhin besucht haben. Sie erzählte uns, wie ihr Mann, der als LKW-Fahrer arbeitete, bei einer Reise ums Leben kam. Plötzlich musste sie mit zwei kleinen Kindern und einem Haufen Schulden klarkommen. Daraus ist der Song "Ist da ein Engel heute Nacht" entstanden.

teleschau: Wenn Sie diesen Song performen wird es bei Konzerten also doch mal ernst?

Hein: Ja, aber das sind wenige, besinnliche Momente. Alles in allem nehmen wir uns selbst nicht so ernst und verarschen uns gegenseitig viel auf der Bühne. Aber natürlich immer mit Niveau! Wir haben bei frühen Auftritten in Tanzlokalen oder Kneipen gelernt, dass man den Zuschauer vielseitig entertainen muss, und das machen wir bis heute.

teleschau: Hören Sie denn privat auch Schlager?

Hein: Wenn ich nach einer Tour nach Hause komme, ist erst mal Stille. Ich habe dann die Schnauze voll von Musik (lacht). Im Radio höre ich oft Schlagersender, um die Kollegen und den Markt im Auge behalten.

teleschau: A propos Kollegen: Spielen Sie lieber gemischte Konzerte mit anderen Schlagersängern, oder bevorzugen sie die reinen Fantasy-Auftritte?

Hein: Ein Solo-Konzert ist viel persönlicher, weil wirklich nur die Menschen kommen, die unsere Musik feiern. Bei Mischkonzerten steht man plötzlich vor einem viel größeren Publikum, das ist ein atemberaubendes Gefühl. Und die Kollegen zu treffen, ist immer wieder fantastisch.

teleschau: Sind Sie mit vielen Schlagersängern befreundet?

Hein: Man braucht in der Freizeit auch mal Abstand von der Branche, daher sind es nicht extrem viele oder intensive Freundschaften. Aber wir treffen uns immer wieder mit Andrea Berg und ihrem Mann Uli oder Vanessa Mai und Andreas. Ich erinnere mich auch gerne an Grillabende mit Bernhard Brink oder wenn die Cappuccinos zu Gast waren.

teleschau: Was ist mit Helene Fischer?

Hein: Es ist immer lustig, wenn man sie und Florian trifft. Einen Moment werde ich nie vergessen: Wir waren beide noch am Anfang unserer Karrieren und hatten einen Auftritt in einem winzigen Ort. Dort waren Fredi und ich zusammen mit Helene in einer Art Jugendherberge untergebracht. Da klopft die Helene abends an unserem Zimmer und fragt, wo man Party machen könne. Wir haben da nur gelacht und ihr gesagt, dass es weit und breit nichts gibt. Statt zu feiern sind wir dann alle zeitig schlafen gegangen. Es ist eine lustige Erinnerung, weil alles so beschaulich und familiär war.

teleschau: Auch mit Dieter Bohlen haben Sie schon zusammengearbeitet.

Hein: Ja, da ist ein kleiner Traum in Erfüllung gegangen. Fredi und ich waren riesige Modern Talking-Fans, Dieter Bohlen und Thomas Anders waren Götter für uns. Das Schöne bei der Zusammenarbeit war, dass die Anfragen von Dieter Bohlen kamen. Aber da es uns sehr wichtig ist, alle Titel selbst zu komponieren und zu texten wollten wir das nicht aus der Hand geben und haben zweimal eine Zusammenarbeit abgelehnt.

teleschau: Warum haben Sie beim dritten Mal angenommen?

Hein: Die Versuchung war zu groß (lacht). Wir haben aber keine jahrelangen Verträge gemacht, sondern eben erst mal nur diesen einen. Auch wenn wir sonst nicht nervös sind, auf dem Weg zu Dieter Bohlen ins Studio waren wir es beide. Aber mal ehrlich: Er ist total der sympathische, humorvolle und vor allem entspannte Typ. Bei "DSDS" spielt Bohlen nur eine Rolle.

teleschau: Und warum wollten Sie nicht weiter mit ihm arbeiten?

Hein: Wir haben von den Fans das Feedback bekommen, dass ihnen unsere eigene Handschrift ein kleines bisschen besser gefällt. Und das haben wir uns zu Herzen genommen.

teleschau: Zweimal "Nein" zu Dieter Bohlen sagen, das verlangt sicher Mut. Läuft man nicht Gefahr, sich als Superstar zu fühlen und abzuheben?

Hein: Wenn wir alles, was wir heute haben, in kürzester Zeit erreicht hätten, mit vielleicht 20 oder 21 Jahren, dann ist die Gefahr sehr groß, in Starallüren zu verfallen und die Bodenhaftung zu verlieren. Wenn man aber eine Durststrecke von gefühlten 15 Jahren durchläuft und so hart kämpft wie wir, dann weiß man jedes kleine bisschen Erfolg sehr wertzuschätzen. Wir könnten in Porsches fahren und in Prada und Armani rumrennen. Aber das machen wir nicht, weil es uns nicht entspricht. Wir unterhalten die Leute bodenständig und natürlich, da wäre Größenwahnsinn unpassend.

teleschau: Haben Sie eine Erklärung dafür, dass Schlager bei jungen Leuten so gut ankommen?

Hein: Schlager sind einfach wieder entstaubt, und sie haben sich weiterentwickelt. Zu ihrer Zeit wurden Roy Black und Howard Carpendale mit ihren Schlagern zu Recht gefeiert, aber wären die Songs und Interpreten so geblieben, hätten sie keine Chance. Heute haben wir junge, moderne Künstler wie Helene Fischer und Andreas Gabalier, die für Heimat, frische Shows und tolle Kostüme stehen. Gleichzeitig ist der Sound der Schlager mit einem kräftigen Beat moderner geworden.

teleschau: Der Sohn von ihrem Kollegen Fredi macht auch Musik. Was würden Sie sagen, wenn Ihr Sohn die Laufbahn vom Papa einschlagen möchte?

Hein: Nach dem langen Weg, den ich gegangen bin, und nachdem ich all die negativen Seiten miterlebt habe, wäre ich nicht sonderlich begeistert (lacht). Ich würde ihm raten, eine Mittellinie zu finden, zwischen seinem Traum und einem bodenständigen Beruf. Erfolg ist einfach nicht berechenbar, und auch Talent garantiert keinen Plattenvertrag mehr.

teleschau: Hört er denn Ihre Musik?

Hein: Meine Ex-Frau hat ihn einmal gefragt: "Wie findest du Schlager?" Und mein Sohn meinte nur: "Alles, was Papa und Fredi machen, finde ich cool, den Rest finde ich scheiße." Jetzt geht er das erste Mal mit auf Tour, und ich bin schon richtig gespannt. Er ist ein sehr aufgewecktes Kind, und ich hoffe, dass noch alles steht, wenn ich nach zwei Stunden Show wieder hinter die Bühne komme (lacht).

Anke Waschneck

Quelle: "teleschau - der mediendienst"

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