Kino / Portraits

Der, der es will

Daniel Donskoy ist das Gesicht der neuen RTL-Serie "Sankt Maik" (ab Dienstag, 23.01., 20.15 Uhr, RTL)

Dieser junge Mann ist wie ein Orkan. Ein enorm starker, aber charmanter Wind, der ab Dienstag, 23. Januar, durch die RTL-Serie "Sankt Maik" fegt. Dass ein 27-jähriger Nobody die Hauptrolle in einem Primetime-Programm des deutschen Fernsehens erhält, ist ungewöhnlich genug. Zumal man die Rolle eines Trickbetrügers, der als falscher Pfarrer eine Provinzgemeinde moralisch auf Vordermann bringt, ohne weiteres mit einem älteren, bekannten TV-Gesicht besetzen hätte können. Warum also dieser wohlerzogene, mit vier Sprachen und Kulturen sozialisierte ehemalige Musical-Schüler, der sein knappes Geld bis vor kurzem mit "modeln" verdiente? Der als Deutscher, Israeli oder Russe in Londons Off-Theaterszene bereits bedeutende Stücke inszenierte? Eine glaubwürdige Begegnung mit dem ziemlich unglaublichen Daniel Donskoy.

Man kann es sich vorstellen, wie dieser junge Mann die Leute um den Finger wickelt. Groß, schlank und gut gekleidet sitzt einer der wahrscheinlich kommenden Stars des deutschen Fernsehens in der Lobby der Hamburger Nobelherberge Park Hyatt. In der Hansestadt hat Daniel Donskoy heute noch eine Besprechung wegen eines Theaterprojektes im prall gefüllten Terminkalender stehen. Gerade inszenierte der Tausendsassa in London eine Version von Arthur Schnitzlers "Reigen". Deren besonderer Ansatz ist es, dass die im Stück von 1920 beobachteten sexuellen Beziehungen am Anfang einer jeden Vorstellungen zwischen Schauspielern unterschiedlichem Geschlechts und unterschiedlicher ethnischer Herkunft ausgelost werden. Wodurch sich ein Zufallsexperiment mit schwarzen und weißen, homo- und heterosexuellen Rollen unterschiedlichen Standes ergibt. Ungewöhnliche Konstellationen, die laut Daniel Donskoy für ungewöhnliche Publikumserfahrungen sorgen.

Die Offenheit, mit der Donskoy an künstlerisch ambitionierte Projekte, aber auch an eine RTL-Serie, die vor allem unterhalten will, herangeht, versteht man, wenn man die ungewöhnliche Lebensgeschichte des Schauspielers erfährt. 1990 wurde er in Russland geboren. Mit seinen Eltern kam Donskoy sehr jung nach Berlin, wanderte nach deren Scheidung mit zwölf nach Israel aus und kehrte mit 18 in die deutsche Hauptstadt zurück - um dem Wehrdienst in der israelischen Armee zu entgehen.

In Berlin lebte Donskoy das Leben eines studentischen Bohemiens, ehe er sich für ein Schauspiel-Stipendium nach London bewarb. Dort lebt er noch heute, auch wenn ihn zahlreiche Castings, Rollen und andere Projekte derzeit ständig um den Globius treiben. Für "Sankt Maik" drehte Daniel Donskoy zehn Folgen in 81 Drehtagen. Insgesamt waren das 450 Minuten Film, er war in fast jeder Szene der Serie dabei. Im Anschluss ging es nach Dresden, wo der 27-Jährige in der Episodenhauptrolle eines sächsischen "Tatorts" glänzen will. Auch im britischen Fernsehen, zum Beispiel im Cast der Historienserie "Victoria" mit Jenna Coleman, ist Donskoy regelmäßig zu sehen.

Vier "Zungen" spricht er auf Muttersprachen-Niveau: Deutsch, Russisch, Hebräisch und mittlerweile auch Englisch. Die Disziplin für seinen wilden Ritt durch die europäische Schauspielszene erklärt der Nachwuchs-Star mit seiner frühen Jugend. "In Berlin musste ich jeden Tag nach der Schule zu meiner Oma, um Russisch und Klavier zu lernen und mit Opa Schach zu spielen. Meine Kindheit war geprägt von der sowjetischen Erziehung meiner Eltern: Du musstest ein Instrument spielen und dich auch in anderen Dingen einer strengen Disziplin unterwerfen. Leistung war in der Sowjetunion alles, denn man konnte sich nicht über kapitalistische Werte wie Geld oder Besitz definieren."

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Dass Donskoy das Ganze wie eine Maschine absolvierte, kann man sich bei diesem lebensfrohen, offenen Typen trotzdem nicht vorstellen. "Stimmt", sagt er. "Auf Leistung und Bildung hat man als Teenager nicht immer nur Lust, aber ich habe dabei viel für mein Leben gelernt."

Dass er als Ausländer den Schritt in den künstlerischen Hexenkessel London wagte, obwohl ihm auch in Deutschland der Platz an einer Schauspielschule sicher gewesen wäre, erklärt Donskoy so: "Herausforderungen haben mich schon immer gekitzelt. Und London schien fast unmöglich. Ich habe es drauf ankommen lassen, bin nach London geflogen und kam mit einem Stipendium an der 'Arts Educational School' zurück. Da musste ich nicht mehr lange überlegen." Während er überlegt, kommen ihm Parallelen zwischen dem London-Abenteuer und seiner Rolle als falscher Priester in "Sankt Maik" in den Sinn: "London war ein Ort, an dem ich mich komplett neu erfinden konnte. Das empfand ich als sehr reizvoll."

Und noch etwas Gutes hatte das britische Abenteuer für den polyglotten Gaukler, der sich bereits als Medienstudent, Musical-Schüler und Model ausprobiert hat. Donskoy meisterte eine Art Überlebens-Training. "Mein Umzug nach London förderte extrem mein Leistungsbewusstsein. In Berlin lebte ich für 1.000 Euro im Monat wie ein König. Ich musste zweimal die Woche in einer Bar arbeiten. Ansonsten hatte ich Zeit, zu tun, was ich wollte. Mit dem ersten Tag in London war das vorbei. Mein Studium konnte ich durch das Stipendium bezahlen, ansonsten besaß ich nichts. Ich lebte monatelang fast nur von Thunfisch- und Bohnenkonserven."

Mittlerweile scheint es so, als müsse sich Donskoy um seine nahe Zukunft in Sachen Engagements wenig Sorgen machen. Derzeit kann er sich vor Anfragen und Castings kaum retten. Neulich hatte er drei Vorsprechen an einem Tag. Zunächst galt es, einen israelischen Sicherheitsoffizier zu spielen, dann einen deutschen SS-Offizier und schließlich einen schwulen russischen Pianisten. Natürlich alles in der jeweiligen Landessprache.

Einem größeren Publikum wird Daniel Donkoy dennoch zunächst als Trickbetrüger Maik im RTL-Programm begegnen, wo er auf wundersame Weise Menschen zusammenführt. "Im Subtext der Serie", sagt er, "geht es darum, was es bedeutet, eine Gemeinde zu sein. Auch um das Sehnen der Menschen nach jemandem, der für sie verantwortlich ist. Sei es ein Gott, ein Pfarrer oder jemand, der einen - ganz irdisch - einfach liebt." Fast könnte man annehmen, dass Daniel Donskoy auch im wirklichen Leben der richtige Mann für einen solchen Teufelskerl-Job im Priestergewand wäre.

Eric Leimann

Quelle: "teleschau - der mediendienst"

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