Samstag, 20.01.2018
14:15 Uhr


Kino / Portraits

"Talentfreie Bewerber sind ein Gottesgeschenk"

Mousse T. sitzt jetzt bei "Deutschland sucht den Superstar" in der Jury (ab Mittwoch, 3. Januar, 20.15 Uhr, RTL)

"Es wird immer von der Generation Y geredet, aber ich sehe meine Generation als viel interessanter an", erklärt Musikproduzent Mousse T. Von Vinyl bis Spotify habe er alles miterlebt. Genau diese Erfahrung sollen dem Songwriter, aus dessen Feder unter anderem Welterfolge wie "Sexbomb" und "Horny" stammen, jetzt bei seiner neuen Tätigkeit als Juror bei "Deutschland sucht den Superstar" (ab Mittwoch, 3. Januar, 20.15 Uhr, RTL) helfen. In der 15. Staffel nimmt der 51-Jährige neben Dieter Bohlen, Carolin Niemczyk und Ella Endlich Platz, um die Leistungen der Bewerber zu bewerten. Im Interview philosophiert Mousse T. darüber, warum talentfreie Bewerber für "DSDS" perfekt sind, und erklärt, warum er sich mit einem Tintenfisch vergleicht.

teleschau: Sie werden in der neuen Staffel neben Dieter Bohlen in der Jury von "DSDS" sitzen. Wie funktioniert dieses Double?

Mousse T.: In der ersten Woche haben wir uns beschnuppert, dann aber schnell gemerkt, dass wir uns gegenseitig schätzen. Dieters Hamburger "Schnack", liegt mir als Norddeutscher. Wenn man mit ihm arbeitet, muss man trotzdem damit rechnen, dass es nicht nur Streicheleinheiten gibt. Aber in der heutigen Welt schätze ich ehrliche Menschen die ihre Meinung einfach frei sagen viel mehr als Gardinenwackler, die immer lächeln und sich dabei etwas ganz anderes denken. Neben dem Pop-Titan bin ich eine Musik-Instanz in der Jury, und das war sicher auch ein Grund, warum ich von RTL angefragt wurde.

teleschau: Aber in erster Linie geht es bei "DSDS" um Unterhaltung, oder?

T.: Ja, das ist ein wichtiger Punkt bei einem solchen Format, immerhin reden wir über eine Show am Samstagabend, so wie es auch "Wetten dass??" einmal war. Bei "DSDS" macht es keinen Sinn, der spitzfindige Musikprofi zu sein, das interessiert die Menschen kaum. Wir produzieren mit der Casting-Show Entertainment, und dazu gehört Humor und auch, Emotionen zu zeigen.

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teleschau: Sind bei Ihnen während dem Dreh Tränen geflossen?

T.: Bisher sind meine Augen trocken geblieben, aber wer weiß, was in den Live-Shows kommt. Die ein oder andere riesige Gänsehaut hatte ich aber schon.

teleschau: Sollte es wieder mehr große Formate wie "Wetten dass??" im Fernsehen geben?

T.: Ja, ich bin großer Fan von solchen Formaten und vermisse eine solche große Unterhaltungsshow am Samstagabend schmerzlich. Inzwischen müsste man aber viele Formate mixen, um es interessant zu gestalten. Stellen Sie sich eine Show, moderiert von Mousse T. oder Dieter Bohlen vor, der aber noch einen Tim Mälzer oder Steffen Henssler an der Seite hat. Ergänzt durch Eva Padberg, die Fashion abdeckt und einen Influencer, der die jungen Leute vor den Fernseher zieht. Früher war Fernsehen einfach ein unglaublich wichtiger Kanal für Musik, heute gibt es da andere. Trotzdem sollte die Musik nicht aus dem TV verschwinden.

teleschau: Trotz Konkurrenz durch YouTube und Co. funktioniert "DSDS" nach wie vor. Wie erklären Sie sich das?

T.: Im Internet präsentieren die Leute ihre Talente oder ihr Können, und die Klicks entscheiden über den Erfolg. Das ist auch eine Art Talentsuche. Trotzdem ist "DSDS" eine nicht mehr wegzudenkende Marke im Medienzirkus. Sicherlich ist Dieter Bohlen ein ganz wichtiger Faktor: Er ist ein sehr polarisierender Mensch. Die Reichweiten, die ein solcher Medienriese wie RTL oder der Sender hat, sind natürlich auch ein Fakt. Ich könnte mir denken, dass "DSDS" nach 15 Jahren eine kleine Renaissance erlebt.

teleschau: Nun muss man aber auch ehrlich sagen, die richtigen Superstars hat "DSDS" noch nicht hervorgebracht?

T.: Die Show hat in erster Linie den Anspruch, Emotionen zu erzeugen, zu unterhalten und Zuschauer zu begeistern. Klar haben die amerikanischen und englischen Shows Erfolge wie Kelly Clarkson und Leona Lewis vorzuweisen. Dort geht man mit den gefundenen Talenten im Anschluss an die Show viel nachhaltiger um. Man muss den neuen Star auf lange Sicht professionell managen und ihm gute Songs schreiben.

teleschau: Immer wieder bewerben sich auch Leute, die gar kein Talent haben. Schätzen sich diese Leute einfach falsch ein?

T.: Ja, einige haben ein total verkehrtes Bild von sich selbst oder ihren Talenten, aber bei 80 Millionen Deutschen ist das auch nicht verwunderlich. Für "DSDS" sind talentfreie Bewerber ein Gottesgeschenk, weil sie Entertainment pur auf dem Silbertablett liefern. Diese Menschen wollen sich aus freien Stücken so darstellen, wir zwingen sie nicht. Andererseits treffen wir bei "DSDS" auch auf diejenigen, die sich sehr wohl bewusst sind, dass Singen nicht ihre Stärke ist. Aber sie sind clever genug, sich ihre fünf Minuten Ruhm zu sichern.

teleschau: Bei einem Star kommt es nicht nur auf die Stimme an, oder?

T.: Nein, definitiv nicht. Ein Alleinstellungsmerkmal macht jemanden zum Star und verhilft ihm zum Erfolg. Es gibt viele tolle Sänger, auch bei "DSDS", aber die klingen eben leider oft ähnlich. Eine Stimme, die man zuvor noch nicht gehört hat, oder eine absolut einmalige Art, das birgt die Chance auf eine Karriere. Jemand wie Grace Jones zum Beispiel: Sie ist nicht unbedingt eine ausgezeichnete Sängerin, aber ihre Persona verleiht ihr den Star-Appeal.

teleschau: Sie sind ein Promi, obwohl Sie lange Zeit nicht im Rampenlicht standen.

T.: Ich muss ehrlich zugeben, dass ich meine Tätigkeit als Produzent immer sehr genossen habe, weil ich mir aussuchen konnte, ob ich hinter den Reglern stehe und vom Vorhang verborgen bleibe oder sagen konnte: Hier bin ich, das ist das Gesicht zum Song. Das ist eine äußerst komfortable Situation, aber die Branche ändert sich sehr. Wenn man oben mitspielen möchte, muss man in den Sozialen Medien oder noch besser im TV präsent sein. Die Arbeit, die ich jetzt bei "DSDS" mache, ist nicht weit entfernt von meinem Job als Produzent: Ich schaue nach jungen Talenten und gebe ihnen eine Chance im Musikbusiness.

teleschau: Wie schaffen Sie es, in der jungen Branche der DJs mitzuhalten?

T.: Es ist eine erstaunliche Sache: Ich bin 51 Jahre alt und lege so viel auf wie lange nicht mehr. Die Branche scheint immer so oberflächlich, aber das Alter ist hier eigentlich egal, solange du nachhaltige, gute Arbeit ablieferst. In meinen Augen ist es außerdem wichtig, sich mehrere Standbeine aufzubauen, und das habe ich mit Erfolg getan - und mache mit "DSDS" weiter.

teleschau: Und wie bleibt man in den Augen der Jugend cool?

T.: Früher hatte cool sein etwas mit Anti-Establishment zu tun, anders sein als die Masse. Mittlerweile gibt es die Berührung von Coolness und Massenkompabilität sehr wohl. Es hängt nicht mehr davon ab, ob man anders ist, sondern wie man sich als Persönlichkeit präsentiert. Es wird immer von der Generation Y geredet, aber ich sehe meine Generation als viel interessanter an: Wir haben die gute alte Zeit miterlebt, gleichzeitig dürfen wir jetzt an Entwicklungen wie Social Media teilhaben. Früher haben wir noch Vinyl gekauft, inzwischen setzt auch meine Generation auf Spotify! Diese neuen Plattformen messen jetzt den Grad von Erfolg und Misserfolg. Von einem ähnlichen Dualismus ist meine Arbeit geprägt: Ich nehme die neuen Medien ernst, weiß, wie ich Reichweite erzeuge und Verkäufe geniere, aber trotzdem muss meine Arbeit ganz traditionell und solide sein. So habe ich eine gute Balance gefunden, cool zu sein und mir trotzdem treu zu bleiben.

teleschau: Wer in den sozialen Medien unterwegs ist, bekommt auch viel Feedback. Berührt Sie Kritik?

T.: Ich lese mir viele Meinungen im Internet durch, weil mir diese demokratische Art der Meinungsäußerung sehr gut gefällt. Schade finde ich es dagegen, wenn Menschen Streit und Ärger suchen und sich dabei aber hinter anonymen IP-Adressen verstecken. So etwas ärgert mich, weil es unfair und feige ist.

teleschau: Haben Sie sich bewusst gegen eine Band und einen Gruppenerfolg entschieden?

T.: Eine Band legt dich fest, und das wollte ich nicht. Ich wechsle zwischen allen möglichen Genres hin und her, und kann auch mein Arbeitsfeld einfach umkrempeln, wenn ich die Schnauze voll habe, immerhin bin ich DJ, Produzent, Songwriter und vieles mehr. Bei einer Band aber kannst du nicht einfach wechseln, da hast du eine Verantwortung gegenüber den anderen Mitgliedern. Mein Weg hat länger gedauert, aber dafür bin ich heute sehr frei in dem, was ich tue. Ich bin wie ein Tintenfisch, der mit seinen Tentakeln überall unterwegs ist, aber im Prinzip ist die Kugel, die Musik, das Herz und die Keimzelle von allem.

teleschau: Aber ist es nicht frustrierend, wenn jemand anders die meisten Lorbeeren abgreift für einen Song den Sie geschrieben haben? Man denke an Tom Jones und "Sex Bomb".?

T.: Der Interpret ist immer das Vehikel für meinen Song, und in meinen Augen ist das gut so. Eine Zusammenarbeit wie mit Tom Jones ist sehr wertvoll. Mit ihm treffe ich mich auch heute noch und arbeite momentan sogar an neuen Projekten.

teleschau: Das heißt, auf Ruhm kommt es Ihnen nicht an?

T.: Für mich ist die Mischung aus Bekanntheit und guter Arbeit erstrebenswert. Ruhm und Bekanntheit sind auch nur ein Mittel, um sich im Gespräch zu halten und so die Kunst voranzutreiben. Wer nur an Geld denkt, der ist auf dem Holzweg, denn auch das Publikum sieht die Dollarzeichen in den Augen, und das macht einen nicht beliebt. Am Ende sind und bleiben es Käufer und Publikum, die über Erfolg oder Misserfolg entscheiden.

teleschau: Man merkt, dass Sie auch Geschäftsmann sind.

T.: Mein Credo lautet "learning by burning", und das habe ich mein Leben lang verfolgt. Man trifft viele Entscheidungen, verbrennt sich auch mal die Finger, aber so habe ich mir mein Geschäft erfolgreich aufgebaut. Vor fünf Jahren hätte ich bei dem "DSDS"-Angebot abgewunken und wäre lieber hinter meinem Mischpult geblieben, heute weiß ich, wie wichtig so eine Show ist, um den Erfolg weiterzubringen.

teleschau: Was bewegt Sie dazu, sich nicht zurückzulehnen und es langsam angehen zu lassen?

T.: Es ist ein bisschen das Goldgräbergefühl. Sich zu überlegen, was erfolgreich sein könnte, Ideen umzusetzen und zu sehen, ob sie funktionieren. Das macht Spaß! Ich versuche immer wieder zu entdecken, ob in dieser Welt, wo schon so viel durch Songs erzählt und gesagt wurde, nicht doch noch etwas übrig geblieben ist, worüber es sich lohnt einen Song zu schreiben. Meine Musik soll Bedeutung haben, und dafür arbeite ich.

Anke Waschneck

Quelle: "teleschau - der mediendienst"

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