Kino / Portraits

Lustig, dieser Harrison Ford ...

Sylvia Hoeks spielt nach "Blade Runner 2049" nun in "Whatever Happens" (Start: 30.11.)

Sie stand schon mit Geoffrey Rush, Harrison Ford und Ryan Gosling vor der Kamera, dreht Filme auf Holländisch, Englisch und Deutsch: Spätestens seit "Blade Runner 2049" gilt Sylvia Hoeks als internationaler Shooting-Star. Die Holländerin begann ihre Karriere im Alter von 14 Jahren als Model, später absolvierte sie die Theaterakademie in Maastricht. In der romantischen Komödie "Whatever Happens" (Start: 30.11.), die sie beim Filmfest München vorstellte, spielen sie und Fahri Yardim zwei junge ehrgeizige Menschen, die sich bei einer Wohnungsbesichtigung kennenlernen und spontan eine WG gründen. Als sich die beiden Mitbewohner verlieben und ein Kind bekommen, ist es der Papa, der zu Hause bleibt. Im Interview spricht die 34-Jährige über die Rolle der Frau in der heutigen Gesellschaft, ihre Liebe zur deutschen Sprache und über ihre Co-Stars von Hollywood bis Deutschland.

teleschau: "Whatever Happens" wurde in München gedreht. Hatten Sie Gelegenheit, die Stadt näher kennenzulernen?

Sylvia Hoeks: Während der Arbeit finde ich wenig Zeit, die Städte zu erkunden, in denen ich drehe. Aber eine Woche, bevor die Dreharbeiten von "Whatever Happens" begannen, ging ich viel mit meinen zwei Hunden spazieren. Ich liebe den Englischen Garten mit dem Eisbach und den Surfern.

teleschau: Sie nehmen Ihre Hunde zum Dreh mit?

Hoeks: Ja, aber für gewöhnlich nur einen. Der andere ist ein wenig traumatisiert und fürchtet sich vor fremden Menschen, deshalb bleibt er oft zu Hause bei meinem Freund. München ist übrigens eine großartige Stadt für Hundehalter. Mir ist aufgefallen, wie viele Menschen ihre Hunde ohne Leine spazieren führen. Unglaublich! Das wäre mit meinem Hund undenkbar, der würde einfach weglaufen und sich denken: "Bis später, ich geh dann mal die Gegend erkunden ..."

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teleschau: Zuvor drehten Sie in Berlin die Serie "Berlin Station" ...

Hoeks: Berlin und München sind wirklich sehr unterschiedlich. München ist ruhig und behütet. Überall sind schöne Geschäfte, nette Restaurants und Cafés - alles ist sehr entspannt. Berlin wiederum ist eine lebhafte Stadt und sprüht vor Kreativität und Freiheit. Mein guter Freund Clemens Schick zeigte mir viele Ecken von Berlin. Er nahm mich sogar in das verrückte Berghain mit. Insgesamt lebte ich fast ein Jahr lang in Berlin, weil ich mehrere Projekte dort am Laufen hatte. Zum Beispiel noch "Renegades" von Luc Besson, für den ich sogar ein Training im Tiefseetauchen bekam. Ich liebte Berlin vor allem im Sommer: Alle sind draußen, tragen kurze Röcke und sind fröhlich - so wie in meiner Amsterdam, wo ich sonst lebe.

teleschau: Sie drehen Filme auf Deutsch, Holländisch und Englisch. Sprechen Sie noch weitere Sprachen?

Hoeks: Französisch. Aber ich sollte es mal wieder auffrischen, sonst geht es verloren. Sprachen sind seltsam: Es ist, als hätte man verschiedene kleine Boxen in seinem Kopf. Manchmal, wenn ich eine Box befüllt habe, zum Beispiel mit Deutsch, dann bekomme ich das Gefühl, dass die Box für Französisch immer leerer wird. Wenn ich dann wieder Französisch reden muss, muss ich bald die Deutsch-Box erneut befüllen.

teleschau: In welcher Sprache drehen Sie am liebsten?

Hoeks: Auf Deutsch oder Englisch. Deutsch ist sehr poetisch und Englisch eine singende Sprache. Holländisch ist sehr direkt, ebenso wie die Holländer selber: Rote Rosen sind rot, fertig. Da vermisse ich manchmal die Poesie. In poetischeren Sprachen lässt sich etwas in völlig anderen Worten ausdrücken.

teleschau: In "Whatever Happens" geben sich zwei Fremde bei einer Wohnungsbesichtigung als Pärchen aus, damit sie die Wohnung bekommen. Wie steht es mit Ihrer WG-Erfahrung?

Hoeks: Während meiner Studienzeit an der Theaterakademie wohnte ich in einer WG mit mehreren Mädels, die ich vorher nicht kannte. Eine Wohngemeinschaft ist schon komisch, es fühlt sich nie wirklich so an, als wäre es dein eigenes Zuhause. Ich kann mich erinnern, dass ich mich dort nie voll und ganz entspannen konnte und war sehr froh, als ich in meiner eigenen Wohnung endlich Privatsphäre hatte.

teleschau: Wären Sie auch mit einem fremden Mann in eine Wohnung gezogen?

Hoeks: Das wäre sehr sonderbar. Aber ich denke, wenn dieser jemand so charmant gewesen wäre wie Fahri Yardim, dann hätte ich es gewagt!

teleschau: In "Whatever Happens" wird Ihre Figur Hannah unverhofft schwanger und verfolgt ihre Karriere weiter, während der Kindsvater zum Hausmann wird. Was denken Sie über ein solch "modernes" Familiengefüge?

Hoeks: In Holland gibt es viele solcher Familien. Wir haben eine moderne Gesellschaft, im Hinblick auf die Rolle der Frau. Ich denke, Frauen sollten kein schlechtes Gewissen haben, wenn sie nach der Geburt weiterhin Vollzeit arbeiten möchten. Als Mutter baust du bereits vor der Geburt neun Monate lang in deinem Bauch eine enge Bindung zu deinem Baby auf. Du schenkst deinem Kind das Leben. Diese Bindung geht nicht einfach verloren, nur weil du weiterhin deine Karriere verfolgen möchtest. Es sollte ein gutes Gespräch in der Partnerschaft stattfinden, in dem man darüber redet, wie die Zukunft weitergeht und wie es für beide am besten ist.

teleschau: Wie war es eigentlich, mit einem kleinen Säugling zu drehen?

Hoeks: Schon verrückt. Sie war erst einige Tage alt, und ich dachte mir die ganze Zeit: "Bloß nicht fallen lassen!" Ich wäre als Mutter viel zu ängstlich, mein Kind einer Schauspielerin an einem Filmset zu überlassen. Weil ich eine kleine Erkältung hatte, hatte ich Angst, das Baby anzustecken und versuchte sie nicht zu lange auf dem Arm zu halten. Wir kamen eh kaum zum Arbeiten, wir waren alle völlig verzaubert von diesem kleinen Wesen am Set.

teleschau: Für "Blade Runner 2049" standen Sie mit Ryan Gosling und Harrison Ford vor der Kamera. Wie war das?

Hoeks: Eigentlich nicht viel anders als bei jedem anderen Film. Ryan Gosling ist ein sehr engagierter und leidenschaftlicher Darsteller. Er ist ein Team-Player, ich habe mit ihm genauso gut zusammengearbeitet wie mit Fahri. Ein Set ist ein Set, auch wenn das von "Blade Runner" riesig und die Arbeit sehr intensiv war. Die Dreharbeiten zu "Whatever Happens" waren im Vergleich sicherlich kleiner und intimer, aber letztendlich war es bei beiden Filmen toll und lehrreich, dabei zu sein.

teleschau: Und was können Sie über Harrison Ford verraten?

Hoeks: Es war wundervoll, mit so einer Legende zu drehen. Er ist sehr lustig. Harrison wurde ziemlich abgeschirmt von der Öffentlichkeit, er war immer von Menschen umgeben, die ihn vor Fans beschützten. Es standen oft viele Menschen vor dem Hotel in Budapest rum, die auf Harrisons Ankunft warteten - ein ganz schönes Spektakel. Er konnte nicht einfach so alleine auf die Straßen gehen. Darum war er sehr auf seine Arbeit konzentriert, aber wir hatten auch viel Spaß zusammen. Wir saßen oft mit der ganzen Besetzung und der Crew beim Abendessen.

teleschau: Können Sie in Holland unbemerkt in den Supermarkt gehen?

Hoeks: Das Schöne an Amsterdam ist, dass die Menschen deine Privatsphäre respektieren. Ich merke manchmal, dass mich Leute auf der Straße erkennen, aber sie kommen nicht auf mich zu und wollen ein Foto mit mir machen. Die Holländer sind sehr bodenständig und entspannt in dieser Hinsicht. Und wenn ich nicht erkannt werden will, dann ändere ich einfach meine Haarfarbe, das verändert mein ganzes Gesicht, und ich kann sorglos spazieren gehen.

teleschau: Haben Sie keine Angst, dass sich das durch ihren wachsenden Bekanntheitsgrad durch Hollywood-Projekte ändern könnte?

Hoeks: Nein. Dann ändere ich eben wieder meine Haarfarbe.

Timea Sternkopf

Quelle: "teleschau - der mediendienst"

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D 2017, R: Niels Laupert, D: Fahri Yardım, Sylvia Hoeks, Alexander Beyer u.a.

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