Kino / Portraits

Mit neuer Lust zurück

Britt Hagedorn führt durch das Magazin "Total Gesund! Mit Britt und Dr. Kurscheid" ab 20. November immer montags, 10 Uhr, SAT.1

Lange galt sie als "letzte Mohikanerin" im Genre der krawalligen Daily-Talks - dann, im März 2013, wurde auch ihre SAT.1-Sendung "Britt - Der Talk um eins" eingestellt. Doch Britt Hagedorn (45) blickt ohne Bitterkeit auf das Ende des Formats, das sie berühmt gemacht hat, zurück. Ja, sagt sie, sie habe das Talken einfach im Blut, aber wer 13 Jahre lang derart prominent und beinahe täglich über Millionen Bildschirme flimmert, braucht irgendwann auch mal eine Pause. Ohne je gänzlich aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwunden zu sein, kümmerte sich die attraktive Blondine in den vergangenen vier Jahren um Wichtigeres: ihre Familie vor allem. Und nun? Kommt die Frau, die zuletzt in "Schwer verliebt" (bis 2013), "Das große Backen" (2013), "Mein schönstes Ich" (SAT.1 Gold) und auf dem Home-Shopping-Kanal HSE noch sporadische Präsenz zeigte, mit einem regelmäßigen Gesundheitsmagazin zu ihrem alten Arbeitgeber SAT.1 zurück: "Total Gesund! Mit Britt und Dr. Kurscheid" ist ab 20. November, immer montags, um 10 Uhr, im Programm. "Ich würde schon sagen, dass ich differenzierter, reflektierter, reifer, klüger geworden bin", erklärt Britt Hagedorn im Interview zum Neustart.

teleschau: In der Presse steht, Sie feiern Ihr "TV-Comeback" - passt das auch zu dem, was Sie selbst empfinden?

Britt Hagedorn: Absolut. Es ist ein großer Schritt - auch wenn "Total Gesund!" eine vergleichsweise kleine Sendung ist. Ich war jetzt fast vier Jahre so gut wie gar nicht mehr im TV.

teleschau: Seit dem Aus für Ihren Talk wurde es recht ruhig ...

Hagedorn: Ja, aber es war auch eine ganz bewusste Entscheidung von mir, mal ein bisschen von der Bildfläche zu verschwinden. Fernsehen ist was Tolles, aber man sollte seine Präsenz auch dosieren. Ich wollte unbedingt mal raus und hatte gute Gründe!

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teleschau: Die Familie?

Hagedorn: Genau. Ich bekam meine beiden Kinder mitten in der Daily-Talk-Ära, hatte gefühlt immer zu wenig Zeit für sie. Aber jetzt war eben mal ein paar Jahre am Nachmittag Hausaufgabenbetreuung statt Talkshow angesagt, und ich konnte mich all den Dingen widmen, die mir und meiner angeborenen Fröhlichkeit gut tun, Reiten zum Beispiel - eine tolle Zeit, die sich sehr gesund angefühlt hat. Außerdem tat es gut, einmal nicht so getrieben zu sein und ständig zwischen Studio, Flughafen und Wohnung hin- und herzuhetzen. Jetzt sind meine Kinder etwas älter - sechs und zehn Jahre -, ich habe richtig Energie getankt, also kann's wieder losgehen!

teleschau: Hat die Fernseharbeit denn Ihrer Fröhlichkeit geschadet?

Hagedorn: Sagen wir es so: Alles hat seine Phasen. Wie in jedem anderen Job nutzte sich da auch bei mir etwas ab - immer nur abliefern und vom Ehrgeiz getrieben einem vermeintlichen beruflichen Erfolg hinterherjagen, macht auf Dauer nicht glücklich. Das habe ich irgendwann schon deutlich gemerkt, danach haben sich die Prioritäten etwas verschoben.

teleschau: Gab es da einen bestimmten Moment?

Hagedorn: Nein, in erster Linie hatte es mit der Familie zu tun. Am Ende meines Lebens möchte ich mir sicher nicht vorwerfen, dass ich für meinen Beruf Dinge beiseitegeschoben habe, die mir eigentlich genauso wichtig oder wichtiger gewesen wären.

teleschau: Tat es auch gut, aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwunden zu sein?

Hagedorn: Auf jeden Fall. Wer mich kennt, weiß, dass ich die Öffentlichkeit, rote Teppiche und irgendwelche Boulevardstorys, nie gesucht habe. Das war nicht der Teil, der mich an dem Fernsehjob gereizt hat, sondern immer der Talk selbst.

teleschau: Sie sagten einmal: "Das Talken steckt mir in den Adern, ich kann gar nicht anders" ...

Hagedorn: Das unterschreibe ich heute noch. Wobei ich nicht mehr in den Daily-Talk zurückwollte, so wie wir ihn so viele Jahre gemacht haben - in dieser Hinsicht hat es sich ausgetalkt. Aber vor laufender Kamera gute Gespräche und Interviews führen, aus denen der Zuschauer etwas mitnimmt, so wie jetzt in meiner neuen Sendung mit dem Mediziner Thomas Kurscheid, das ist mein Ding.

teleschau: Aber Hand aufs Herz: Das wahre Comeback wäre doch eine neue tägliche Talksendung gewesen!

Hagedorn: (lacht) Nein. Ich bin wirklich sehr zufrieden, dass ich erst mal kleiner einsteige - "Total Gesund!" hat ja auch Züge eines Talks.

teleschau: SAT.1 nennt die Sendung "die gesündesten 30 Minuten der Woche" ...

Hagedorn: Ja, zusammen mit Dr. Kurscheid nehme ich mir verschiedenste medizinische Themen vor - auf leichte, pragmatische, unterhaltsame Weise. Wir werden eher nicht über tödliche Krankheiten sprechen, sondern über Alltägliches. Ich sage mal: wie eine "Apotheken Umschau" als Fernsehformat. Aber es gibt schon den Anspruch, dass wir den Zuschauern helfen wollen, indem wir Fragen etwa zu Ernährung und Bewegung beantworten und verraten, warum Prosecco schlecht für die Zähne ist.

teleschau: Prosecco ist schlecht für die Zähne?

Hagedorn: Leider ja. Die Säure greift an. Aber, kleiner Tipp, essen Sie Käse zu Sekt und Wein, der schützt den Zahnschmelz ... Noch Fragen? (lacht)

teleschau: Ja. Macht Bier wirklich dick?

Hagedorn: Ja, aber nachweislich auch nicht dicker als Wein. Ansonsten halte ich es mit Dr. Kurscheid: Die Dosis ist entscheidend. Genau wie mit dem Fernsehjob (lacht).

teleschau: Wie sehr hat Sie das Aus Ihres Talks 2013 getroffen? - das Ende kam damals ja doch überraschend ...

Hagedorn: Stimmt. Aber ich bin kenne mich schon so gut in der Branche aus, dass mir schon länger klar war, dass dem Format nicht die Zukunft gehören wird. Ich kann Quoten lesen - und die Kritiken der Medienjournalisten ... Das Ende ist für mich aber in keinster Weise mit Groll verbunden - auch weil SAT.1 mir und meinem Team damals noch so eine tolle Abschiedssendung geschenkt hatte. Alles gut.

teleschau: Sagt die Frau, die sich lange als "letzte Mohikanerin" des Daily-Talks fühlen durfte. Ursprünglich gab es einmal 14 Sendungen, in den letzten Jahren dann aber nur noch Ihre!

Hagedorn: Ich habe über 2.000 Sendungen gemacht und 13 Jahre durchmoderiert - länger als jeder andere. Dabei ging ich 2001, als ich anfing, davon aus, dass ich vielleicht ein Jahr schaffen könnte ... Natürlich bin ich auch stolz auf das alles. Das nimmt mir keiner mehr.

teleschau: Was war das Erfolgsgeheimnis?

Hagedorn: Zum einen das tolle Team - wir waren damals eine große Familie bei SAT.1. Zum anderen, dass wir uns nicht, wie so viele andere, auf Scripted Reality einließen. Bei allem Krawall war unser Talk immer auch authentisch. Außerdem haben wir uns um die Leute gekümmert, bemüht, zu helfen, wenn es angebracht war. Das alles sicherte uns das Überleben - jedenfalls sehr lange.

teleschau: Von Montag bis Freitag treulose Ehemänner, kleptomanische Kinder, unheilbar Kranke, sexsüchtige Rentner ... - Wie hält man das 13 Jahre lang aus?

Hagedorn: Ganz einfach: dadurch, dass es auf der anderen Seite auch die guten Geschichten gab, auch dankbare Gäste, immer wieder furchtbar liebe Menschen. Wir hatten nicht nur die Freaks und das Übel dieser Welt, sondern genauso viel Schönes und Positives. Das hielt sich alles die Waage.

teleschau: Warum funktioniert das Prinzip Daily-Talk nicht mehr? - Unlängst hatte ja Detlef Soost mit einem Wiederbelebungsversuch auf RTL II wenig Erfolg ...

Hagedorn: Ich bin nicht sicher, ob es nicht mehr funktioniert. Denn Redebedarf gibt es immer. Man müsste so eine Sendung nur anders angehen als damals ...

teleschau: Was schwebt Ihnen vor?

Hagedorn: Ich finde, wenn außenrum alles schnell und wild ist, darf's im Fernsehen vielleicht auch mal eine Stunde etwas ruhiger zugehen. So ein Format, wie es Jürgen Fliege früher gemacht hat, wäre vielleicht gerade richtig: eine Sendung für die nicht mehr ganz so junge Zielgruppe, in der man den Leuten Zeit gibt und ihnen bei ihren Alltagsproblemen zuhört und weiterhilft. Wahrscheinlich ist das eben auch die Perspektive der in die Jahre gekommenen Britt: Ich würde schon sagen, dass ich differenzierter, reflektierter, reifer, klüger geworden bin.

teleschau: Klingt nach einer Bewerbung!

Hagedorn: Ja, warum nicht! So eine Sendung würde ich gerne machen. Nur eben nicht mehr an jedem Werktag, das höhlt sich zu schnell aus.

teleschau: Man könnte einen wöchentlichen Boulevardtalk kreieren, der sich als Gegenpol zu den vielen politischen TV-Runden um die großen Debattenthemen kümmert ... - Mit normalen Bürgern als Gästen.

Hagedorn: Genau meine Idee: Was hätten wir beispielsweise für tolle "Metoo"-Sendungen zur Sexismus-Debatte machen können! Es ist dramatisch, was sich da in den vergangenen Wochen Bahn gebrochen hat ...

teleschau: Haben Sie selbst Erfahrungen gemacht?

Hagedorn: Mit Sexismus? Nein, niemals auch nur irgendwie. Ich bin seit über 20 Jahren in der Branche, aber es gibt keinen einzigen Vorfall, den ich nennen könnte - vielleicht hatte ich nur Glück. Aber mir tun natürlich all die Frauen, die betroffen sind, sehr leid. Es ist absolut wichtig und zu befürworten, dass den Opfern endlich Gehör geschenkt wird. Auf der anderen Seite finde ich es auch etwas bedenklich, was sich da gerade entwickelt.

teleschau: Was meinen Sie?

Hagedorn: Die enorme Wucht der Diskussion trägt sicher nicht zu einem natürlichen Umgang der Geschlechter miteinander bei. Ich merke durchaus, wie manche Kerle plötzlich anfangen, rumzueiern, anstatt zu sagen, was sie denken. Wir sollten schon ein bisschen aufpassen, dass das jetzt nicht allzu verkrampft wird. Es ist aber ein kompliziertes Thema ...

teleschau: Sie waren 2006 nackt im "Playboy". Gab es selbst danach keine allzu flotten Sprüche seitens der Männer?

Hagedorn: Nein, gar nicht. Es liegt vielleicht auch an mir, vielleicht strahle ich das ja aus: "Komm' mir nicht blöd, sonst gibt es Ärger!" (lacht) Ich kann sowieso kein Klischee der Fernsehbranche bestätigen. Ich habe noch nicht einmal mitbekommen, dass jemand Drogen konsumiert. Todlangweilig! Manche sagen ja, der Job im TV an sich sei schon eine Droge. Aber das stimmt bei mir auch nicht. Meine Droge ist das Reiten. Bei meinen Pferden würde ich am liebsten ständig sein.

teleschau: Sie gehören einer Generation an, die mit dem Fernsehen aufwuchs und sozialisiert wurde ... Wie ist das nun bei Ihren Kindern?

Hagedorn: Komplett anders. Statt Fernsehen gibt es jetzt die Sozialen Medien und so vieles andere. Und es ist dramatisch. Bei meinem Sohn ist es natürlich noch kein Thema, aber der Zehnjährigen habe ich das Smartphone wieder einkassiert - das Kind hat ja nichts anderes mehr gemacht, als Whatsapps zu schreiben. Eltern müssen heute schon verdammt gut aufpassen, dass die Dosis noch stimmt. Man darf ja auch nicht vergessen, dass gleichzeitig der Druck auf die Kinder nicht kleiner geworden ist. Die sind extremen Ansprüchen ausgesetzt und haben weniger Freiheit, als wir sie früher hatten. Ich finde, Aufgabe der Eltern ist es da, zu bremsen und nicht zu beschleunigen. Sehen viele leider anders, ich weiß.

Frank Rauscher

Quelle: "teleschau - der mediendienst"

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